Was ist neu?
Diagnostik und Risikofaktoren Die Bedeutung konventioneller Risikofaktoren tritt im Verhältnis zu der prognostischen
Relevanz des individuellen Verlaufs der minimalen Resterkrankung immer mehr in den
Hintergrund.
Intensivierte Chemotherapie Eine Intensivierung der Chemotherapie auf Basis pädiatrischer Protokolle ist auch
bei erwachsenen ALL-Patienten möglich und verbessert das Gesamtüberleben. Essenziell
ist für alle Altersgruppen eine konsequente Durchführung der Erhaltungstherapie.
Stammzelltransplantation Die Optimierung der Stammzelltransplantation (SZT) hat zu einer deutlichen Verbesserung
des Gesamtüberlebens bei Hochrisiko-Patienten beigetragen. Neue Optionen der SZT umfassen
dosisreduzierte Konditionierungsschemata für ältere Patienten sowie die haploidente
Transplantation bei Patienten ohne passenden Spender.
Ph/BCR-ABL-positive ALL Neue Therapien der Ph/BCR-ABL-positiven ALL basieren in allen Altersgruppen auf einer
dosisreduzierten Chemotherapie in Kombination mit einem Tyrosinkinaseinhibitor (TKI).
Bei jüngeren Patienten ist die SZT in Erstremission weiterhin indiziert. Bei älteren
Patienten sollte die Möglichkeit einer SZT mit dosisreduzierter Konditionierung erwogen
werden.
Immuntherapie bei ALL Die Kombination von zielgerichteter Therapie mit Chemotherapie kann zu einer Verbesserung
des Gesamtüberlebens beitragen. In der Erstlinientherapie spielen vor allem der CD20-Antikörper
Rituximab sowie im Rahmen von Studien das T-Zell-spezifische Purinanalog Nelarabin
einen Rolle. Bei Patienten aller Altersgruppen mit molekularem Therapieversagen oder
molekularem Rezidiv sollten die Möglichkeiten auch experimenteller, zielgerichteter
Therapien erwogen werden.
Altersadaptierte Therapie Die Prognose der ALL ist streng mit dem Alter korreliert. Doch auch bei Patienten
über 55 – 65 Jahren können durch spezifische, altersadaptierte Protokolle Heilungschancen
verbessert werden. Neue Studien, die auf der Kombination einer Immuntherapie mit dosisreduzierter
Chemotherapie beruhen, sollen in Deutschland in Kürze anlaufen.
Rezidivtherapie Die Prognose von Rezidivpatienten ist weiterhin ungünstig. Eine Heilung kann nur
durch SZT erreicht werden. Neue Immuntherapien stehen für die Behandlung von Rezidiven
der B-Vorläufer-ALL zur Verfügung und sind bei Frührezidiven und refraktären Rezidiven
den Standardtherapien überlegen.
Spätfolgen der Therapie Aufgrund der immer besseren Heilungschancen überleben viele ALL-Patienten langfristig.
Die Nachsorge auch im hausärztlichen Bereich sollte die potenziellen Spätfolgen im
Blick behalten.