Zeitschrift für Komplementärmedizin 2017; 09(01): 32-37
DOI: 10.1055/s-0042-119762
Praxis
Anthroposophie
© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Fieber aus anthroposophischer Sicht

David D. Martin

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Publication Date:
26 January 2017 (online)

Summary

Menschen, die der Anthroposophie bzw. der anthroposophischen Medizin nahestehen, haben meist eine sehr positive Haltung gegenüber Fieber. Sie sehen im Fieber eine Art evolutionärer „Geistesgabe“, die mit akuten Infekten gesund umzugehen hilft, aber auch darüber hinaus langfristig gesundend wirken kann. Fieber wird in der anthroposophischen Medizin als eine Möglichkeit betrachtet, Infekte nicht nur schneller und besser durchzustehen, sondern dadurch auch das Auftreten zukünftiger Infektionen weniger wahrscheinlich zu machen. Ferner wird Fieber auch als eine Möglichkeit zur Immunreifung gesehen, ebenso als ein möglicher Schutz gegenüber Erkrankungen sowie die Heilungsförderung von Erkrankungen, bei denen die Auseinandersetzung mit „Fremdem“ im weitesten Sinne gestört ist (z.B. Allergien, aber auch Überlastung oder Schicksalsschläge). Es bietet auch die Möglichkeit für liebevolle Zuwendung, wirkt möglicherweise fördernd auf die eigene Entwicklung und Kreativität und könnte helfen, immer mehr Ausdruck der eigenen Individualität zu werden, indem man geerbte Eigenheiten überwindet – bis hin zu einem möglichen Schutz vor Krebserkrankungen. Bisherige Studien lassen einen Teil dieser Ansichten als berechtigt erscheinen, während andere noch hypothetisch sind.