Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2018; 53(01): 62-70
DOI: 10.1055/s-0042-118690
Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Behandlung im Voraus planen – Bedeutung für die Intensiv- und Notfallmedizin

Advance Care Planning and its Relevance for Emergency and Intensive Care Medicine
Friedemann Nauck
,
Georg Marckmann
,
Jürgen in der Schmitten
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Publication History

Publication Date:
10 January 2018 (online)

Zusammenfassung

Behandlung im Voraus planen (BVP) – im Englischen Advance Care Planning (ACP) – etabliert sich auch in Deutschland als ein neues Konzept zur Realisierung wirksamer Patientenverfügungen. Das Konzept beinhaltet Prozesse zur Ermittlung, Dokumentation und Umsetzung von Behandlungswünschen für den Fall, dass die Betroffenen nicht (mehr) selbst entscheiden können.

Abstract

Like in other countries, advance care planning (ACP) is currently being implemented in Germany as a new concept to realise valid and effective advance directives. This concept comprises processes to explore and document individual preferences for future treatment, and to honour them at a time when the person is incapacitated. ACP aims to ensure that patients will be treated according to their preferences when they are no longer capable due to acute health crises or chronic diseases. This paper gives an overview of the concept of ACP with a focus on relevant issues for emergency and intensive care medicine.

Kernaussagen
  • Herkömmliche Patientenverfügungen sind nach wie vor zu wenig verbreitet, häufig nicht aussagekräftig formuliert und von fragwürdiger Validität, bei Bedarf oft nicht zur Hand, und sie bleiben vom Gesundheitspersonal oft unbeachtet.

  • Behandlung im Voraus planen (BVP) bzw. Advance Care Planning erfordert einen kulturellen Wandel hin zu einer patientenorientierten Ermittlung und regelhaften Beachtung von Patientenwünschen. BVP verfolgt das Ziel des Respekts der Patientenautonomie bei Verlust der Einwilligungsfähigkeit, sodass Patienten auch dann nach ihren individuellen Wünschen behandelt werden, wenn sie diese selbst nicht mehr äußern können.

  • BVP-Programme weisen 2 konstitutive Elemente auf: 1. Eine qualifizierte Gesprächsbegleitung im Sinne einer gemeinsamen Entscheidungsfindung, um mögliche zukünftige medizinische Behandlungen bei Nichteinwilligungsfähigkeit zu entwickeln und auf aussagekräftigen Formularen zu dokumentieren und 2. die regionale Implementierung, sodass die resultierenden Vorausverfügungen regelmäßig auch in Notfallsituationen verfügbar sind und zuverlässig beachtet werden.