Gesundheitswesen 2018; 80(07): 621-627
DOI: 10.1055/s-0042-112459
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Beweggründe für die Inanspruchnahme von Notaufnahmen – Ergebnisse einer Patientenbefragung

Reasons for Emergency Department Visits: Results of a Patient Survey
R. Somasundaram*
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Interdisziplinäre Rettungsstelle und Aufnahmestation, Berlin
,
A. Geissler*
2  Technische Universität Berlin, Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Berlin
,
B. A. Leidel
1  Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin, Interdisziplinäre Rettungsstelle und Aufnahmestation, Berlin
,
C. E. Wrede
3  HELIOS Klinikum Berlin-Buch, Interdisziplinäres Notfallzentrum, Berlin
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Publication Date:
09 September 2016 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Die Anzahl der Patienten in den Notaufnahmen der Krankenhäuser steigt stetig. Die Beweggründe der Patienten für die Inanspruchnahme von Notaufnahmen wurden in Deutschland bisher wenig untersucht und stützen sich vorwiegend auf Vermutungen. Durch direkte Befragung sollten daher die Gründe für die eigenständige Vorstellung von Notfallpatienten in Notaufnahmen untersucht werden.

Methodik: An 2 Berliner Krankenhäusern der Maximalversorgung wurden 2 010 Patienten standardisiert innerhalb eines Zeitraums von 4 Wochen mithilfe eines Fragebogens anonym befragt. Dabei wurden nur Patienten einbezogen, die selbständig die Notaufnahme aufsuchten. Die Befragungsdaten wurden deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: Über 90% der Patienten betrachteten sich selbst als Notfall und drei Viertel gaben Schmerzen an. Die Mehrzahl der Patienten (57%) hatte zuvor versucht, während der regulären Praxisöffnungszeiten einen niedergelassenen Arzt zu erreichen. Die Patienten würden mehrheitlich (59%) Notfallstrukturen der KV nutzen, wenn sie vorhanden und bekannt wären. Allerdings kannten 55% der Befragten den KV-Notdienst nicht.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen, dass ambulante Notfallstrukturen als zentrale Anlaufstellen an Notfallkrankenhäusern rund um die Uhr erforderlich sind. Die zukünftige Planung der Notfallversorgung muss daher sektorenübergreifend ausgerichtet sein. International bereits eingesetzte Instrumente zur Einbindung von integrierten Telefonzentralen, Ausweitung des ambulanten Angebots und Schaffung von Strukturen für weniger dringliche Fälle an oder in Krankenhäusern sollten im Sinne einer besseren Steuerung der Patientenströme auch in Deutschland implementiert werden.

Abstract

Objectives: The number of patients visiting emergency departments (ED) is steadily increasing. The cause for this rise in Germany is unclear and less examined. This study aimed to assess the reasons of walk-in patients to visit EDs by using a direct survey.

Methods: During a period of 4 weeks, 2 010 walk-in patients were anonymously surveyed in 2 major Berlin hospitals using a standardized questionnaire. Descriptive statistics were used for data analysis.

Results: More than 90% of patients assessed themselves as an emergency and three-quarters of patients reported pain. The majority of patients (57%) tried to contact statutory health insurance (SHI) office-based physicians in advance and 59% of patients said they would make use of ambulatory emergency facilities if they were available and well established. However, 55% of patients were unaware of the emergency service of the association of SHI physicians.

Conclusion: The results indicate that centralized ambulatory emergency facilities should be available 24/7 at hospitals with EDs. Therefore, future planning of emergency services should integrate providers of ambulatory and inpatient sector. International experience suggests that different instruments aiming at better coordination of care, such as integrated call centers, extended ambulatory services and facilities for less urgent cases located in or nearby hospitals with EDs should also be implemented in Germany.

* geteilte Erstautorenschaft.


Ergänzendes Material