Gesundheitswesen 2016; 78(04): 209-214
DOI: 10.1055/s-0042-102341
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Verständigung mit Patienten und Eltern mit Migrationshintergrund in der stationären allgemeinpädiatrischen Versorgung

Communication with Migrant Patients and their Parents in Inpatient General Pediatric Care
S. Ullrich*
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
D. Briel*
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
Y. Nesterko
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
A. Hiemisch
2  Department für Frauen und Kindermedizin, Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig AöR
,
E. Brähler
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
3  Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsmedizin Mainz
,
H. Glaesmer
1  Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Leipzig AöR
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Publication History

Publication Date:
23 March 2016 (online)

Zusammenfassung

Ziel: In Abhängigkeit des Migrationshintergrundes der Patienten wurde im stationären Setting die Verständigungsqualität zwischen den Eltern der pädiatrischen Patienten und dem Klinikpersonal sowie die Art und Häufigkeit der Sprachmittlungseinsätze untersucht.

Methodik: Im Rahmen einer fragebogengestützten Erhebung wurden Daten von Eltern, behandelnden Ärzten und Pflegekräften in Bezug auf 220 pädiatrische Patienten analysiert, die im Zeitraum von Februar bis Mai 2013 in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin der Uniklinik Leipzig AöR behandelt wurden. 18,2% der Patienten wiesen einen Migrationshintergrund auf.

Ergebnisse: Während sich keine Unterschiede in den Einschätzungen der Qualität der verbalen Verständigung durch die Eltern mit bzw. ohne Migrationshintergrund zeigten, schätzte das Klinikpersonal die Verständigung mit den Eltern der Patienten mit Migrationshintergrund insgesamt schlechter ein. In 19,2% (Angabe durch Pflegepersonal) bzw. 15,3% (Angabe durch Ärzte) der Fälle erfolgte bei unzureichenden Sprachkenntnissen der Eltern eine Sprachmittlung. Professionelle Sprachmittler wurden nicht eingesetzt.

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, sprachliche Barrieren in der Versorgung pädiatrischer Patienten mit Migrationshintergrund zu berücksichtigen. Künftige Arbeiten sollten das Thema der kulturellen Vielfalt im Gesundheitssystem weiter in den Fokus rücken und die Auswirkungen professioneller Sprachmittlungseinsätze gezielt erforschen.

Abstract

Objectives: Depending on the ethnic background of patients, the quality of communication between the parents of pediatric patients and clinicians, as well as the type and frequency of interpreter services was studied in an inpatient setting.

Methods: As part of a questionnaire-based survey, data from parents, doctors and nurses with reference to 220 pediatric patients treated in the Department of Pediatrics at the University Hospital Leipzig from February to May 2013 were analyzed; 18,2% of patients were migrants.

Results: No differences were found in the assessment of the quality of communication with clinic staff by migrant and non-migrant parents. Physicians as well as nurses rated the communication with migrant parents compared to non-migrant parents significantly lower. In up to 19,2% (data provided by nursing staff) and 15,3% (data provided by doctors) of the cases characterized by insufficient language skills on the part of migrant parents, interpreter services had to be procured. No professional interpreters were used.

Conclusion: The results highlight once more the difficulties in communication between clinicians and migrant patients with insufficient language skills. More attention should be paid to the impact of the use of professional interpreters in the health care services.

* geteilte Erstautorenschaft.