Gesundheitswesen 2016; 78(S 01): e89-e96
DOI: 10.1055/s-0041-110669
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wie bewerten chronisch Kranke die organisatorischen und interpersonellen Aspekte ihrer haus- und fachärztlichen Versorgung im Vergleich? Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung

How do Chronically Ill Patients Rate Medical Care by their GPs and Specialists? Results of a Germany-wide Survey
J. Röttger
1  Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Gesundheitsökonomisches Zentrum Berlin, Technische Universität Berlin
,
R. Busse
1  Fachgebiet Management im Gesundheitswesen, Gesundheitsökonomisches Zentrum Berlin, Technische Universität Berlin
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Publication Date:
16 February 2016 (online)

  

Zusammenfassung

Einleitung: Die Fähigkeit eines Gesundheitssystems auf die legitimen Erwartungen der Bevölkerung hinsichtlich der organisatorischen und interpersonellen Aspekte der Versorgung einzugehen, die sogenannte Health System Responsiveness, wird als eine Kernfähigkeit von Gesundheitssystemen angesehen. Während in vielen Studien die Responsiveness im ambulanten Sektor erhoben wurde, gibt es bisher kaum Informationen zu Unterschieden in der Bewertung der haus- und fachärztlichen Versorgung.

Methodik: Mittels einer schriftlichen Befragung wurden 51 998 chronisch kranke Versicherte (Koronare Herzkrankheit und/oder Diabetes Typ II) der Techniker Krankenkasse hinsichtlich ihrer Erfahrungen mit haus- und fachärztlicher Versorgung befragt. Die Erfahrungen mit der Versorgung, getrennt nach Haus- und Fachärzten, wurden mit einer adaptierten Version des Health System Responsiveness Fragebogens der WHO erfasst. Die Unterschiede in der Bewertung wurden mittels McNemar-Test analysiert.

Ergebnisse: Die Antworten von 13 685 Versicherten konnten in die Analysen eingeschlossen werden. Die Befragten bewerteten ihre Versorgung überwiegend positiv. Über alle abgefragten Dimensionen hinweg wurden die Hausärzte statistisch signifikant besser bewertet als die Fachärzte. Die stärksten Unterschiede zeigten sich dabei bei den Bewertungen der Wartezeit, der Einbeziehung in die Entscheidungsfindung sowie der Koordination der Behandlung.

Schlussfolgerung: Insgesamt sind die befragten Versicherten überwiegend zufrieden mit ihrer haus- und fachärztlichen Versorgung. Insbesondere bei der fachärztlichen Versorgung zeigen sich jedoch auch Bereiche mit Optimierungsbedarf.

Abstract

Introduction: The ability of health systems to respond to the legitimate expectations of the population regarding interpersonal and organizational aspects of healthcare – the so-called Health System Responsiveness – is considered a key competence of health systems. While various studies have assessed the responsiveness of ambulatory care, information on differences between care provided by general practitioners (GP) and specialists is still scarce.

Methods: By means of a postal survey, 51 998 chronically ill persons (type 2 diabetes and/or coronary heart disease) insured by a statutory health insurance body (Techniker Krankenkasse) were surveyed regarding their experiences with GP and specialist care. An adapted version of the WHO Health System Responsiveness questionnaires was used for assessing data. Differences in the rating of specialist and GP care were analyzed using McNemar’s test.

Results: Responses from 13 685 patients were included in data analyses. Overall, ambulatory care was rated mostly as positive. Across all dimensions of health system responsiveness, GP care was rated statistically significantly as more positive than specialist care. Considerable differences were found in the evaluation of waiting times, involvement in decision-making and coordination of care.

Conclusion: Overall, the surveyed persons were mostly satisfied with their GP and specialist care. However, some aspects of specialist care need to be optimized.

Ergänzendes Material