Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2015; 50(1): 8-18
DOI: 10.1055/s-0040-100378
Fachwissen
Anästhesiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Anästhesie in der interventionellen Pneumologie – Bronchoskopie und Jet-Ventilation

Michael Kern
,
Daniel Niemeyer
,
Thoralf Kerner
,
Sascha Tank
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Publication Date:
29 January 2015 (online)

Zusammenfassung

Endoskopische Verfahren in der Pneumologie nehmen einen hohen Stellenwert in der Diagnostik und Therapie der unterschiedlichsten pneumologischen Krankheitsbilder ein. Neben einer Bronchoskopie in Lokal- oder Allgemeinanästhesie wird häufig auch eine Jet-Ventilation mittels Katheter oder über das starre Bronchoskop durchgeführt. Der in diesem Bereich tätige Anästhesist sollte über fundierte Kenntnisse der Jet-Ventilation verfügen und mögliche Komplikationen kennen.

Abstract

Today interventional procedures are frequently used for diagnosis and treatment in patients with various pulmonary diseases. Besides bronchoscopy in local- or general anesthesia jet-ventilation is commonly applied via catheter or rigid bronchoscope. Anesthesiologists should have profound knowledge of high-frequency ventilation and possible complications when assisting during interventional procedures.

Kernaussagen

  • Die interventionelle Pneumologie fordert den Anästhesisten aufgrund der multimorbiden Patienten und der Konkurrenz mit den Pneumologen um den Atemweg.

  • Einige pneumologische Interventionen laufen mit der flexiblen Bronchoskopie in Lokalanästhesie häufig ohne anästhesiologische Betreuung ab.

  • Interventionelle Eingriffe sind oft eine Indikation für die starre Bronchoskopie. Der Vorteil liegt im größeren Arbeitskanal.

  • Für starre Bronchoskopien muss eine Allgemeinanästhesie induziert werden, um schwerwiegende Verletzungen des Tracheobronchialsystems durch Spontanbewegungen zu vermeiden.

  • Die starre Bronchoskopie gilt als sehr sicher. Komplikationen treten in < 0,1 % der Fälle auf.

  • Die meisten Interventionen werden in der Pneumologie mit einer Jet-Ventilation durchgeführt. Umfangreiche Kenntnisse in der Handhabung der Jet-Ventilation sind daher essenziell.

  • Die Jet-Ventilation ist durch kleine Atemzugvolumina und hohe Beatmungsfrequenzen gekennzeichnet und unterscheidet sich somit grundlegend von einer konventionellen Beatmung.

  • Durch den Wegfall eines Endotrachealtubus bei der Jet-Ventilation wird die Instrumentenführung nicht behindert.

  • Eine ausreichende neuromuskuläre Blockade erleichtert sowohl die Endoskopie als auch die Beatmung und verhindert einen unerwünschten reflektorischen Verschluss der Glottis.

  • Bei der Jet-Ventilation sind lediglich die O2-Konzentration (FJetO2) und der Arbeitsdruck effektiv adaptierbare Parameter. Die anderen Einstellungen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Ergänzendes Material