Phlebologie 2011; 40(03): 127-134
DOI: 10.1055/s-0037-1621766
Originalarbeiten
Schattauer GmbH

Prävalenz des Lipödems bei berufstätigen Frauen in Deutschland

(Lipödem-3-Studie)Prevalence of lipoedema in professional women in Germany(Lipoedema-3-study)
M. Marshall
,
C. Schwahn-Schreiber
2   Venenzentrum Elbe-Weser, Otterndorf
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Publikationsverlauf

Received:02. August 2010

Accepted:23. März 2011

Publikationsdatum:
30. Dezember 2017 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Nach eigener Recherche fehlen standardisiert erhobene Daten zur Prävalenz des Lipödems (in Mitteleuropa). Deshalb untersuchten wir zu dieser Fragestellung 62 Frauen anamnestisch, klinisch und (duplex-)sonografisch. Dabei bemühten wir uns, einen „Inanspruchnahme-Bias“ strikt zu vermeiden und eine ausgewogene soziale Zusammensetzung des Kollektivs zu erreichen.

Ergebnisse: In einer Vorstudie an 2 x 100 Frau-en hatten wir eine Prävalenz erkennbarer Lip -ödme von 7–8 % gefunden. Werden alle Ausprägungen eines Beinlipödems berücksichtigt, hatten 39 % der Frauen ein Lipödem be-ziehungsweise eine Lipohyperplasie. Wird nur der mäßig bis deutlich ausgeprägte Befund im Sinne der deutlich verstrichenen Fesseltaille mit entsprechendem sonografischen Befund bewertet, sind 9,7 % von einem Lipödem betroffen; ausschließlich der Reithosentyp fand sich bei 4,8 % unserer Probandinnen. Bezüglich Alter, Körperlänge und Menarchealter bestan-den keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Frauen mit Lipödem waren schwerer als die ohne und zeigten eine entsprechend höhere Körpermassenzahl (Body-Mass-Index, BMI). Die Dicke von Subkutis + Ku-tis supramalleolär-medial betrug bei den Frau-en ohne Lipödem rund 11 ± 2,8 mm; bei den Frauen mit Lipödem lag der durchschnittliche Wert mit rund 16 mm z.T. jenseits der doppelten Standardabweichung des Wertes der Frauen ohne Lipödem. Die Kutisdicke lag in beiden Gruppen im Mittel deutlich unter 2 mm. Die so-nografische Beurteilung und Vermessung von Subkutis und Kutis eignet sich offensichtlich gut zur Diagnosesicherung und Schweregradbeurteilung eine Lipödems – auch im Rahmen epidemiologischer Studien.

Summary

Background: As we did not find any reliable datas concerning the prevalance of lipoede-ma (in Middle Europe), we started an anamnestic, clinical and (duplex-)sonographic investigation in 62 professional women. We were endavoured to avoid a bias of assertion and to get a socially correct composition of the collective.

Results: Including all stages of lipoedema, also the mild ones (lipohyperplasia), 39 % of women were concerned. Regarding only the moderate to distict findings of markedly filled in ankles, 9.7 % were concerned. Only the breeches-type was found in 4.8 %. There were no relevant differences in age, length and age of menarche in women without and with lip oedema. Women with lipoedema were heavier than those without and they had accordingly a higher body-mass index. The thickness of subcutis + cutis 8 cm above the medial malleolus was 11 ± 2.8 mm in women without lip oedema and about 16 mm in those with lip oedema (beyond the double standard deviation). The thickness of the cutis lied on average distictly under 2 mm in both groups. Sonography seems to be a safe tool in the judgment of the subcutis – also in epidemiological studies.