Fragestellung: Im Rahmen dieser Zusammenstellung sollen anhand eigener und aus der Literatur gewonnenen
Daten Trends bzgl. der diagnostischen Sicherheit, der Risikofaktoren und der Prognose
von pränatal gesicherten Hirnblutungen herausgearbeitet werden.
Methoden: Retrospektive Analyse von 15 Feten mit Zeichen einer fetalen intrakraniellen Blutung.
Bei allen Fällen erfolgte eine detaillierte sonographische Diagnostik in 3 tertiären
Pränatalzentren. Zusätzlich wurde eine Zusammenstellung aller Kasuistiken und Fallserien
mit fetaler Hirnblutung 1977 – 2015 (n = 267) vorgenommen. Die Auswertung erfolgte
hinsichtlich fetomaternaler Charakteristika, Ausmaß und Lokalisation der Blutung sowie
des perinatalen Outcomes.
Ergebnisse: Insgesamt fielen 41,5% der Feten mit einer intraparenchymalen Blutung (IPH; Grad
IV) und weitere 37,2% mit einer intraventrikulären Blutung (IVH; Grad II u. III) auf.
Subdurale Hämatome fanden sich in 12%, epidurale und cerebelläre Blutungen waren dagegen
eher selten. Die perinatale Mortalität und Morbidität war erwartungsgemäß hoch. Weniger
als 1/4. aller betroffenen Kinder war nach interventionellen Maßnahmen als gesund/unauffällig
zu bezeichnen, 40% der Schwangerschaften wurden abgebrochen oder es kam zum perinatalen
Versterben der Kinder. In etwa jedem 6. Fall konnte eine Alloimmunthrombozytopenie
(FNAIT) nachgewiesen werden, zudem scheinen vaskuläre Ursachen (Mutationen im Col4a1-Gen) eine zunehmende Rolle zu spielen. Von offenbar untergeordneter Bedeutung sind
die Blutungen Folgen einer medikamentösen Therapie.
Zusammenfassung: Pränatale Blutungen sind für die Integrität des unreifen fetalen ZNS bzw. den Feten
generell fatal. Immerhin werden 75% der Schwangerschaften entweder abgebrochen oder
resultieren in einer lebenslangen Einschränkung der neuromotorischen Fähigkeiten.
Die zugrundeliegende Ätiologie kann in < 50% geklärt werden. Bei etwa 20% liegen eine
FNAIT oder vaskuläre Anomalien vor.