physioscience 2016; 12(04): 163
DOI: 10.1055/s-0035-1567150
Studienprotokoll
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kommentar zum Studienprotokoll

M. Scheermesser
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Publication History

Publication Date:
07 December 2016 (online)

Die Akademisierung und Professionalisierung der Physiotherapie sowie die rasante Entwicklung neuer Technologien führen zu einer Zunahme der Physiotherapieforschung. Das Thema Ethik spielt im physiotherapeutischen Forschungsprozess eine zentrale Rolle. Sowohl Forschende als auch praktisch arbeitende Physiotherapeuten sehen sich mit ethischen Fragestellungen konfrontiert.

Alexandra Hummel analysiert in ihrer Master-Arbeit, welche spezifischen ethischen Herausforderungen sich daraus für die Physiotherapieforschung ergeben. Das vorliegende Studienprotokoll stellt den Hintergrund des Themas dar, grenzt es ein und benennt klar die Ziele der Studie. Dem Thema entsprechend wählt die Autorin ein qualitatives Methodendesign. Das explorative bzw. erkundende Vorgehen der Studie ermöglicht es, sich dem komplexen Sachverhalt der ethischen Herausforderungen in der Physiotherapieforschung zu nähern und es besser zu verstehen. Auf diese Weise können subjektive Deutungsmuster der befragten Ethiker und Forschenden rekonstruiert werden, mit dem Ziel, erste Hypothesen zu entwickeln.

Neben der Frage zu den Herausforderungen, die das Thema Ethik mit sich bringt, wäre es auch interessant, mehr über die Rolle der Ethik für die physiotherapeutischen Forschungsprozesse aus Sicht von Ethikern und Forschenden zu erfahren. Zum Schluss der Studie könnten noch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderer Therapie- oder Gesundheitsberufen (z. B. Ergotherapie, Pflege) diskutiert werden.

Noch einige Anmerkungen zur Qualitätssicherung in der qualitativen Forschung: Während sich in der quantitativen Forschung seit Jahrzehnten die klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität etabliert haben, herrscht zur Frage der Güte- bzw. Bewertungskriterien in der qualitativen Forschung weniger Einigkeit.

Steinke [1] kommt zu dem Schluss, dass die klassischen Gütekriterien der quantitativen Forschung für die Bewertung qualitativer Forschungsarbeiten ungeeignet sind. Für die qualitative Forschung schlägt sie deshalb folgende zentrale Bewertungskriterien vor: Indikation der methodischen Vorgehensweise, empirische Verankerung der gewonnenen Theorie in den Daten, Aufzeigen der Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse und Herstellung intersubjektiver Nachvollziehbarkeit.