Gesundheitswesen 2015; 77(10): 805-813
DOI: 10.1055/s-0035-1564080
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Sprachkompetenz und Verhaltensauffälligkeiten im Vorschulalter

Language Competence and Behavioural Problems in Preschool
J. K. Rißling
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
,
J. Melzer
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
,
B. Menke
2  SRH Hochschule Heidelberg
,
F. Petermann
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
,
M. Daseking
1  Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation, Universität Bremen
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
29 October 2015 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Kinder mit Sprachstörungen tragen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Verhaltens- und emotionalen Problemen. Die Studie untersucht das Verhalten von Vorschulkindern mit Sprachbeeinträchtigungen differenziert nach verschiedenen Sprachebenen.

Methodik: Die Analysen basieren auf den Ergebnissen von N=540 Kindern im Alter zwischen 4;0 und 5;11 Jahren. Die Gruppenzuordnung erfolgte je nach Schwerpunkt der Sprachschwierigkeit. Dabei wurde in Sprachbeeinträchtigungen in den Bereichen Phonetik/Phonologie (n=44), Wortschatz (n=44), Grammatik (n=58), Pragmatik (n=26) sowie Einschränkungen in mehreren Sprachbereichen (n=171) differenziert. Anschließend wurde zwischen Defiziten auf den Ebenen Sprachproduktion und Sprachverständnis unterschieden. Die Kinder mit Sprachbeeinträchtigungen wurden einer unbeeinträchtigten Vergleichsgruppe (n=197) gegenübergestellt und das Ausmaß von emotionalen und Verhaltensproblemen analysiert.

Ergebnisse: Die Ergebnisse geben erste Hinweise darauf, dass sich bereits im Vorschulalter Art und Ausmaß von emotionalen Problemen und Verhaltensauffälligkeiten bei verschiedenen Sprachdefiziten unterscheiden. Insbesondere bei Beeinträchtigungen im Bereich des Sprachverständnisses, der Pragmatik und bei Defiziten auf mehreren Sprachebenen steigt das Risiko für Verhaltens- und emotionale Probleme sowie Hyperaktivität.

Schlussfolgerungen: Der Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und emotionalen bzw. Verhaltensproblemen sollte bei der Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation im Vorschulalter verstärkt beachtet werden. Insbesondere die Abgrenzung zwischen Defiziten in der Pragmatik und Verhaltensauffälligkeiten erfordern eine differenzierte Überprüfung, um eine optimal abgestimmte Förderung zu gewährleisten.

Abstract

Aim of the Study: Children with language disorders are at increased risk of developing behavioural and emotional problems. The analysis focused on the question whether behavioural problems differ depending on the type of language deficit. The present study examines the behaviour of preschool children with different language impairments.

Method: The results of N=540 children aged between 4;0 and 5;11 years were analyzed. Language impairments were classified into phonetics/phonology (n=44), vocabulary (n=44), grammar (n=58), pragmatics (n=26) and multiple language impairments (n=171). In addition, a distinction was made between deficits in language production and comprehension. The children were compared with an unimpaired control group (n=197). The extent of emotional and behavioural problems were analyzed.

Results: The results indicate that emotional and behavioural problems differ depending on the type of language deficit already in preschoolers. Especially deficits in language comprehension, pragmatic impairments and multiple language impairments increase the risk of behavioural and emotional problems and hyperactivity.

Conclusions: The relationship between language skills and emotional and behavioural problems should be emphasized in the developmental observation and documentation in preschool. In particular, the distinction between deficits in pragmatics and behavioural problems requires a differentiated examination to ensure an optimal intervention.