Gesundheitswesen 2016; 78(06): 414-420
DOI: 10.1055/s-0034-1396845
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Geschlechtsspezifisches Wissen und Gendersensibilität in der medizinischen Lehre – eine Bestandsaufnahme

Gender-specific Aspects of Knowledge and Gender Sensitivity in Medical Education – An Inventory
D. Burghaus*
1  Medizinische Fakultät, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten (IfAS), Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Münster
2  Institut für klinische Radiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster
,
J. C. Becker*
1  Medizinische Fakultät, Institut für Ausbildung und Studienangelegenheiten (IfAS), Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Münster
,
K. Kappes
2  Institut für klinische Radiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster
,
M. Heue
3  Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Essen
,
A. Kindler-Röhrborn
4  Institut für Pathologie, Universität Duisburg-Essen, Essen
,
B. Pfleiderer
2  Institut für klinische Radiologie, Universitätsklinikum Münster, Münster
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Publication History

Publication Date:
23 February 2015 (eFirst)

Zusammenfassung

Hintergrund: Kenntnisse über geschlechtersensible Aspekte in der Medizin sind eine essentielle Grundlage für eine optimale, passgenaue Versorgung von Patienten.

Ziel der Arbeit: Bestandsaufnahme von Wissen und Einstellungen zu Genderaspekten – beispielhaft an 2 deutschen medizinischen Fakultäten.

Material und Methoden: In einem Online-Fragebogen wurden sowohl das Wissen zu Geschlechteraspekten in der Medizin – von biologischen Grundlagen, klinisch relevanten Unterschieden bis hin zu Fragen zur Gendersensibilität und dem Rollenverständnis bezogen auf Patienten und Ärzte unter den Mitgliedern der medizinischen Fakultäten Münster und Duisburg-Essen (Stichprobe: 1 671 Studierende, 743 wissenschaftliche Mitarbeiter und 53 Professoren) erhoben.

Ergebnisse: Kenntnisse über geschlechtersensible Aspekte sind sowohl unter Studierenden als auch Lehrenden unzureichend vorhanden. Im statistischen Mittel lag dabei der Mittelwert für richtige Antworten auf Wissensfragen zu diesem Thema unter 55%. Bezüglich der Gendersensibilität der Befragten ergab sich unter allen Teilnehmenden eine breite Zustimmung über die Wichtigkeit von Geschlechteraspekten. Allerdings überwiegt die Meinung, dass nur das Geschlecht der Patienten eine wichtige Rolle spielt; das Geschlecht des Behandelnden wird dagegen als weniger relevant empfunden.

Schlussfolgerungen: Die Studie zeigt in diesem Bereich ein hohes Optimierungspotenzial auf: Der Einbezug geschlechtersensibler Aspekte in den medizinischen Alltag ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer individualisierten Medizin.

Abstract

Background: Gender competence is an essential prerequisite for individualized patient care.

Objectives: The aim of this study is to survey the level of knowledge and attitudes towards gender-related aspects at 2 German medical schools.

Materials and Methods: An online questionnaire was used to collect data on gender competence in medicine including biological basics of sex differences, clinical aspects, socio-cultural factors as well as questions regarding gender role concepts. In total 1 671 students, 330 basic scientists, 413 physicians and 53 professors from the German Medical Schools Münster and Duisburg-Essen took part in the survey.

Results: The level of knowledge on gender-specific aspects in medicine is unsatisfactory at both medical schools. The average of correct answers on gender-related questions of all groups is less than 55%. Looking at gender sensitivity the existence and importance of gender disparities in medicine is agreed upon by the majority of participants. However, most of them regard only the patients’ but not the physician’s sex as relevant.

Conclusions: The study reveals a lack of knowledge and the necessity for improvement: the integration of gender-specific aspects into medical routine is an important step towards a truly individualized medical care.

* geteilte Erstautorenschaftt


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