Klin Monbl Augenheilkd 2014; 231(08): 795-797
DOI: 10.1055/s-0034-1382887
Der interessante Fall
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Phake Intraokularlinsenimplantation bei großem Weiß-zu-Weiß-Abstand

Phakic Intraocular Lens Implantation in the Case of a Large White-to-White Distance
U. Brandlhuber
Augenklinik, Ludwig-Maximilians-Universität, München
,
J. Rüping
Augenklinik, Ludwig-Maximilians-Universität, München
,
W. J. Mayer
Augenklinik, Ludwig-Maximilians-Universität, München
,
D. Kook
Augenklinik, Ludwig-Maximilians-Universität, München
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Publication History

Publication Date:
18 August 2014 (online)

Kasuistik

Ein 36-jähriger Bankkaufmann stellte sich erstmals im November 2012 in der Augenklinik mit der Bitte um keratorefraktive Laserkorrektur seiner Kurzsichtigkeit vor. Es zeigte sich ein unkorrigierter Visus von 1/25 am rechten (RA) und 1/35 am linken Auge (LA). Mit einer Brillenkorrektur konnte jeweils eine volle Sehschärfe von 1,0 erzielt werden (RA: − 6,0/− 1,0 × 171°; LA: − 8,5/− 0,25 × 57°) (Hornhautscheitelabstand je 12,0 mm). Der Augeninnendruck (IOD) lag beidseits bei 11 mmHg und die Pupillometrie ergab folgende Werte RA: 4,5 mm, 6,3 mm, 7,3 mm, LA: 4,3 mm, 6,2 mm, 7,4 mm (photopisch, mesopisch, skotopisch). Die biomikroskopische Untersuchung der vorderen und hinteren Augenabschnitte zeigte einen reizfreien, altersentsprechenden und unauffälligen Befund. In der biometrischen Diagnostik zeigte sich eine Vorderkammertiefe von rechts 4,42 mm und links 4,51 mm, die Achslänge betrug 28,1 mm (RA) und 28,7 mm (LA). Ferner wurde ein Weiß-zu-Weiß-Abstand (WTW-Abstand, horizontaler Abstand von Limbus zu Limbus über die Hornhautmitte) von 13,4 mm beidseits festgestellt (Zeiss IOLMaster; Carl Zeiss AG, Oberkochen, Deutschland). In einer Kontrollmessung mittels Ultraschallbiomikroskopie und optischer Kohärenztomografie (Visante OCT, Carl Zeiss Meditec) war dieser Wert beidseits reproduzierbar. Die Endothelzellzahlmessung (SP-3000P, Topcon, Tokio, Japan) ergab die Werte 2765 Zellen/mm2 (RA) und 2721 Zellen/mm2 (LA). Nach Durchführung einer Hornhauttopografie mittels rotierender Scheimpflug-Kamera (Pentacam® Oculus Optikgeräte GmbH, Wetzlar, Deutschland) bestand beidseits differenzialdiagnostisch der Verdacht auf einen Forme-fruste-Keratokonus aufgrund der Aufsteilung der Hornhautvorderfläche ([Abb. 1 a, b]). Da im Vorfeld der Untersuchung keine Kontaktlinsen getragen wurden, kam eine dadurch bedingte korneale Aufsteilung (engl.: corneal warpage) hier nicht als Ursache in Betracht.