Diabetes aktuell 2014; 12(2): 80-88
DOI: 10.1055/s-0034-1378124
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Diabetes und Depressionen – Eine fatale Kombination

Diabetes and depression – a fatal combination
Norbert Hermanns
1   Forschungsinstitut Diabetes, Diabetes Zentrum Mergentheim, Bad Mergentheim
,
Bernhard Kulzer
1   Forschungsinstitut Diabetes, Diabetes Zentrum Mergentheim, Bad Mergentheim
,
Michael Krichbaum
1   Forschungsinstitut Diabetes, Diabetes Zentrum Mergentheim, Bad Mergentheim
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Publication Date:
09 May 2014 (online)

Die Komorbidität von Diabetes und Depressionen stellt eine problematische Konstellation dar, da Depressionen bei Diabetespatienten ein wesentlicher Risikofaktor für einen negativen Verlauf der Erkrankung sind. Dies gilt gleichermaßen für Menschen mit einer subklinisch depressiven Stimmungslage wie auch für Patienten mit einer klinisch manifesten Depression. Depressive Diabetiker weisen bezüglich Morbidität und Mortalität eine deutlich schlechtere Prognose auf als nichtdepressive Diabetiker. Obwohl es effektive Behandlungsmöglichkeiten gibt, werden viele depressive Diabetiker in der klinischen Routine nicht erkannt. Ein regelmäßiges Monitoren des Wohlbefindens und Ansprechen von emotionalen Problemen und diabetesspezifischen Belastungen ist wesentlich, um eine Diagnose und die richtige Behandlung für Depressionen bei Diabetes zu identifizieren. Je nach Schwere der Depressivität und entsprechend der Zusammenhänge mit diabetesspezifischen Problemen lassen sich unterschiedliche Therapiestrategien identifizieren. Bei subklinischen oder leichten klinischen Depressionen, bei denen ein relevanter Zusammenhang zu diabetesspezifischen Problemen besteht, scheint eine Fokussierung der diabetesspezifischen Belastungen durch Schulung, Beratung oder Therapieumstellung sinnvoll. Bei diabetesunspezifischen Auslösern einer depressiven Erkrankung können bei leichteren Formen psychotherapeutische Interventionen oder Beratungen, in schweren Fällen in Kombination mit einer pharmakologischen Therapie Abhilfe schaffen. „Collaborative Care“-Ansätze, in denen eine antidepressive Therapie mit diabetesspezifischen Elementen kombiniert und im Rahmen eines „Stepped Care“-Ansatzes eskaliert werden kann, erscheint nach dem jetzigen Stand der Forschung die Therapie der Wahl bei der Komorbidität von Diabetes und Depression.

Patients with diabetes and depression represent a major challenge for general practitioners, who are responsible for diagnosing and treating the majority of people with type 2 diabetes mellitus and comorbid depression. Diabetic patients with comorbid depression have a markedly poorer prognosis with regard to mortality and morbidity than those without depression. Also, there is a major impact of comorbid depression on patient self-care and treatment outcomes. Therefore, screening for depression in the context of a structured approach to case management and patient follow up is recommended in people with diabetes. Although effective treatment options are available, many diabetic patients with depression are not recognized in the clinical routine. Discussions of the problem and attendance at special diabetic training courses could represent a first step in the treatment of such depressions. When a drug therapy for depression is initiated, attention must be given to possible side effects and/or interactions with diabetes therapy.