Diabetes aktuell 2014; 12(2): 72-78
DOI: 10.1055/s-0034-1378123
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Orale Antidiabetika beim kardiovaskulären Risikopatienten – Individualisierte und multifaktorielle Therapie im Fokus

Oral antidiabetic in patients with coronary heart disease –individualized and multifactorial approach is needed
Bettina Johanna Kraus
1   Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg
,
Stefan Frantz
1   Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg
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Publication Date:
09 May 2014 (online)

Patienten mit koronarer Herzerkrankung und Diabetes gehören zu einer Hochrisikogruppe, die eine besonders gute Einstellung kardiovaskulärer Risikofaktoren erfordert. Inzwischen steht eine Vielzahl oraler Antidiabetika zur Verfügung, mit denen eine suffiziente Blutzuckereinstellung erreicht werden kann. Sie unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrem Einfluss auf kardiovaskuläre Risikoparameter, doch ihre Sicherheit und Effektivität zur Senkung kardiovaskulärer Ereignisse wurde meist nicht geprüft. Seit dem Anstieg von Herzinsuffizienz und Myokardinfarkten unter Therapie mit Thiazoledinedionen sind kardiovaskuläre Sicherheit und langfristige Effekte auf kardiovaskuläre Endpunkte zunehmend in die Prüfung durch große klinische Studien einbezogen worden. Die bisherigen Ergebnisse zeigen jedoch, dass trotz effektiver und teils signifikant besserer Senkung des HbA1c-Wertes mit den neuen Substanzen kein zusätzlicher Nutzen bezüglich des Auftretens von Myokardinfarkten und anderen kardiovaskulären Endpunkten erreicht werden kann. Eine individualisierte und multifaktorielle Therapie steht daher mehr denn je im Fokus der Behandlung. Die primären Therapieziele sind u. a.: Bewegung, normoglykämische Blutzuckereinstellung, Blutdrucksenkung auf < 140 mmHg systolisch, Senkung der Blutfette und Gewichtsreduktion. Entscheidend für den Therapierfolg ist das frühzeitige Erreichen des Zielbereichs. Bezüglich der zu erreichenden Zielwerte besteht nicht immer ein linearer, sondern häufig ein U-förmiger Zusammenhang, der im Falle der Blutzuckerkontrolle bei einem HbA1c-Wert um 6,5–7,5 % mit dem günstigsten kardiovaskulären Nutzen-Risiko-Verhältnis assoziiert ist.

Patients with diabetes mellitus and coronary heart disease are at high risk to develop further cardiovascular events. Therefore, they require effective treatment of all cardiovascular risk factors. A large number of oral antihyperglycemic drugs are currently available with varying impact on cardiovascular risk factors, but their safety and efficiency in patients with cardiovascular disease and heart failure is not known. After recognition of an increased risk for myocardial infarction and heart failure by treatment with thiazolidinediones, cardiovascular safety and effectiveness of antidiabetic regimes has become more relevant in large clinical trials. Surprisingly, despite a significant reduction in HbA1c, so far no additional protection from major cardiovascular events could be reached with these newer drugs. Therefore, an individualized and multifactorial approach is needed to reach treatment targets as early as possible. These targets are among others: exercise, normoglycemia, systolic blood pressure < 140 mmHg, optimized lipid profile, weight reduction. Regarding the normoglycemic target value, there is no linear, but a U-shaped correlation with cardiovascular events, the optimum ranging around 6.5–7.5 %.