Sprache · Stimme · Gehör 2014; 38(02): 76-80
DOI: 10.1055/s-0034-1375623
Schwerpunktthema
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Neuropsychologische Therapie von Aufmerksamkeits­störungen nach Hirnverletzungen

Neuropsychological Remediation of Attention after Traumatic Brain Injury
J. Rüsseler
1  Institut für Psychologie, Otto-Friedrich-Universität Bamberg
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Publication Date:
26 June 2014 (online)

Zusammenfassung

Aufmerksamkeitsstörungen treten nach Hirnschädigungen häufig auf. Dabei stehen die allgemeine Verlangsamung der Reaktionsgeschwindigkeit, eine erhöhte Ablenkbarkeit durch irrelevante Reize sowie schnelle Ermüdbarkeit im Vordergrund. Als Praxisstandard hat sich die Kombination von Funktionstherapie, die auf eine Restitution der gestörten kognitiven Funktionen abzielt, mit psychosozialen Unterstützungsmaßnahmen etabliert. Funktionstherapie besteht in einem gezielten, meist computergestützten Training einzelner Aufmerksamkeitskomponenten (z. B. Wachsamkeit, geteilte Aufmerksamkeit, Daueraufmerksamkeit). Beim Strategietraining werden Wege vermittelt, wie mit den vorhandenen Fähigkeiten die kognitiven Anforderungen erfolgreich bewältigt werden können. Psychosoziale Unterstützung umfasst einerseits die Behandlung emotionaler Probleme, die häufig nach einer Hirnverletzung auftreten, andererseits können Veränderungen in der Umwelt vorgenommen werden, die Arbeitsgedächtnisanforderungen reduzieren und so die bessere Nutzung der kognitiven Ressourcen der Patienten ermöglichen.

Abstract

Attentional problems are common after traumatic brain injury (TBI). A general slowing of responses, an enhanced susceptibility to irrelevant stimuli and increased fatigue are core symptoms of attentional problems. Remediation of attention deficits after TBI should include direct attention training and metacognitive training to promote the development of compensatory strategies and foster generalisation to real world tasks. The treatment should be clinician-guided. Furthermore, psychosocial and psychotherapeutic support has been proven effective, especially for patients with affective problems that are often part of the sequelae of symptoms after TBI.