Akt Neurol 2013; 40(07): 400-407
DOI: 10.1055/s-0033-1347250
Übersicht
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Multiple Sklerose und Epstein-Barr-Virus: Eine aktuelle Übersicht

Multiple Sclerosis and Epstein-Barr Virus: A Current Review
K. Ruprecht
1  Klinik für Neurologie, Charité Campus Mitte und Klinisches und Experimentelles Forschungszentrum für Multiple Sklerose, Charité – Universitätsmedizin Berlin
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Publication Date:
04 September 2013 (online)

Zusammenfassung

Diese Übersichtsarbeit diskutiert die wesentlichen Entwicklungen und Ergebnisse zum Zusammenhang einer Epstein-Barr-Virus (EBV)-Infektion mit der Multiplen Sklerose (MS) aus den vergangenen 5 Jahren. Verschiedene Untersuchungen konnten die praktisch 100%-ige Seroprävalenz von EBV bei Patienten mit MS, das erhöhte MS-Risiko nach einer symptomatischen EBV-Erstinfektion (infek­tiöse Mononukleose), sowie bereits vor klinischem Ausbruch einer MS erhöhte Antikörpertiter gegen bestimmte EBV-Proteine bestätigen. Darüber hinaus spricht insbesondere auch der Nachweis einer Serokonversion initial EBV-seronegativer Personen vor dem klinischen Beginn einer MS dafür, dass EBV einen notwendigen, aber nicht hinreichenden Faktor, für die Entstehung einer MS darstellen könnte. Nach wie vor sind die der Assoziation von EBV und MS zugrundeliegenden biologischen Mechanismen allerdings unbekannt. Derzeit wird unter anderem das Konzept einer Infiltration des Gehirns mit EBV-infizierten Zellen intensiv bearbeitet, wobei die vorliegenden Ergebnisse jedoch kontrovers erscheinen. Diese Arbeit referiert die aktuelle diesbezügliche Datenlage und fasst weitere mögliche Erklärungsmodelle für die Rolle von EBV bei der MS zusammen. Nachdem keines der gegenwärtigen Konzepte den Pathomechanismus von EBV bei der MS suffizient erklärt, verbleibt die Aufklärung dieses Mechanismus eine zentrale Fragestellung, deren Beantwortung zu einem besserem ätiologischem und pathogenetischem Verständnis und davon ausgehend zu möglichen Konsequenzen für die Prävention und Behandlung der MS führen könnte.

Abstract

This review discusses the main developments and results of the past 5 years on the association of Epstein-Barr virus (EBV) infection and multiple sclerosis (MS). Different studies have confirmed the almost 100% EBV seroprevalence in patients with MS, an increased risk of MS following symptomatic primary EBV infection (infectious mononucleosis), and elevated antibody titres against EBV proteins already before the first clinical manifestation of MS. In addition, especially the evidence of seroconversion of initially EBV seronegative persons before the clinical onset of MS likewise suggests that EBV could represent a necessary, but not sufficient, prerequisite for the development of MS. Nevertheless, the biological mechanisms underlying the association of EBV and MS remain unknown. Among other topics, research has focussed on the concept of a CNS infiltration with EBV infected cells, however, the present results concerning this issue appear controversial. This work summarises current data on this and other possible concepts explaining the role of EBV in MS. Since none of these concepts appears to sufficiently explain the pathogenic mechanism of EBV in MS, the unravelling of this mechanism remains a key task which may lead to a better understanding of the aetiology and pathogenesis of MS and may also have consequences for the prevention and treatment of this disease.