Zahnmedizin up2date 2014; 8(2): 123-142
DOI: 10.1055/s-0033-1346904
Prothetik
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prothetische Versorgung auf kurzen Implantaten

Martin Brenner
,
Jan Brandt
,
Hans-Christoph Lauer
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Publication History

Publication Date:
01 April 2014 (online)

Einleitung

Die zahnärztliche Implantologie hat sich in den letzten 20 Jahren als bedeutende Disziplin in der Zahnheilkunde etabliert. Laut einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie werden in Deutschland derzeit jährlich mehr als 1 Million Implantate zum Ersatz fehlender Zähne inseriert. Dies betrifft vor allem ältere Patienten. So fehlen laut der letzten Mundgesundheitsstudie (DMS-IV, 2006) bei Senioren im Alter von 65–74 Jahren durchschnittlich 14,2 Zähne. Häufig handelt es sich hierbei um Schaltlücken, sodass die Totalprothese als Therapiemittel an Wichtigkeit verliert und ein festsitzender Zahnersatz meist relativ gut realisierbar ist. Fehlende Zähne werden zunehmend mithilfe von Implantaten ersetzt. Während 1997 nur etwa 0,7 % der Senioren Implantatkonstruktionen trugen, hat sich dieser Wert 2005 mit 2,6 % mehr als verdreifacht.

Zudem wird die deutsche Bevölkerung im Durchschnitt älter: Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes prognostiziert für die kommenden Dekaden einen demografischen Wandel mit deutlichem Anstieg bei den Senioren (Abb. [1]). Insgesamt lässt sich also für die kommenden Jahre und Jahrzehnte eine weiterhin steigende Tendenz für implantatgetragene Therapiemittel prognostizieren.

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Abb. 1 Entwicklung der Alterspyramide zwischen 2013 und 2040: In den Jahren 2030–2040 werden die Senioren voraussichtlich die größte Bevölkerungsgruppe darstellen. Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2013. Mit freundlicher Genehmigung des Statistischen Bundesamtes.

Ein häufiges Problem für den implantierenden Zahnarzt stellt – besonders bei älteren Patienten – das unzureichende Knochenangebot dar. So sind oftmals vor Insertion des Implantats kleine oder auch umfangreiche augmentative Maßnahmen erforderlich, die zahlreiche Belastungen für den Patienten bergen. Der Einsatz kurzer Implantate (Abb. [2]) ermöglicht jedoch in vielen Fällen einen Verzicht auf rekonstruktive Maßnahmen. Hiervon profitiert insbesondere der Patient, aber auch für den Zahnarzt ist die Therapie mit geringeren Risiken behaftet. Der folgende Artikel erläutert Vor- und Nachteile sowie Indikationen und Besonderheiten kurzer Implantate.

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Abb. 2 Ein langes (13 mm) und ein kurzes (8 mm) Implantat im Vergleich (ASTRA TECH OsseoSpeed).

Merke: Der Einsatz kurzer Implantate hilft, augmentative Maßnahmen zu vermeiden.