TumorDiagnostik & Therapie 2013; 34(2): 85-90
DOI: 10.1055/s-0032-1330748
Thieme Onkologie aktuell
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wie sinnvoll sind „Krebsdiäten“?

Eine kritische Analyse als Grundlage für die ärztliche BeratungHow Useful are Diets against Cancer?A Critical Analysis as Basis for Counseling Patients
J. Hübner
1  Universitäres Centrum für Tumorerkrankungen (UCT), Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
,
S. Marienfeld
2  Medizinische Klinik 1, Ambulanz für enterale und parenterale Ernährung, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
,
C. Abbenhardt
3  Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
,
C. M. Ulrich
3  Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT), Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Heidelberg
,
C. Löser
4  Medizinische Klinik, Rotes Kreuz Krankenhaus, Kassel
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Publication History

Publication Date:
13 March 2013 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund: Diäten haben für Patienten mit Krebs auf der Suche nach Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf selbst zu beeinflussen, eine hohe Attraktivität.

Methoden: Auf Basis einer Analyse der Beiträge im größten deutschen Chatroom für Patienten mit Krebs („Krebs-Kompass“), im Internetsuchdienst Google und Bing sowie der Beratungserfahrung der Autoren wurden die derzeit in Deutschland relevanten „Krebsdiäten“ identifiziert. Es schloss sich eine systematische Literaturaufarbeitung der klinischen Daten aus Medline unter Berücksichtigung präklinischer Hinweise auf die Sicherheit der Diäten an.

Ergebnisse: Die Recherche konnte Budwig-Diät, Gerson-Diät, kohlenhydratarme Kost, Krebskur nach Breuß und Makrobiotik als häufigste Krebsdiäten identifizieren. Diese „Krebsdiäten“ basieren auf drei unterschiedlichen Konzepten zur Karzinogenese und den sich daraus ableitenden Ernährungsempfehlungen: Krebs als Mangel oder Zuviel von bestimmten Substanzen oder als Folge eines pathologischen Stoffwechsels der Tumorzellen. Durch die Diät soll eine Heilung oder ein wesentlicher Beitrag zur Heilung geleistet werden. Für keine der Diäten konnten jedoch wissenschaftlich fundierte Publikationen oder systematische klinische Studien mit positiven Ergebnissen in Bezug auf das Überleben gefunden werden. Demgegenüber finden sich Daten zu diätinduzierten Mangelerscheinungen und anderen z. T. schwerwiegenden Folgen.

Schlussfolgerungen: Unter evidenzbasierten Kriterien gibt es derzeit keine Indikation für die Anwendung einer der untersuchten „Krebsdiäten“. Da in einigen Fällen ein erheblicher Schaden resultieren kann, sollte Patienten in der ärztlichen Beratung von „Krebsdiäten“ abgeraten werden.

How useful are diets against cancer? – A critical analysis as basis for counseling patients

Background: Diets against cancer are attractive for patients who try to influence disease progression.

Methods: In order to determine the most influential cancer diets in Germany, we analyzed the chatroom for cancer patients „Krebs-Kompass“, the search machines Google and Bing and our own counseling experience as experts. We conducted a systematic literature review of clinical data in Medline also considering preclinical data on safety.

Results: The most often mentioned „cancer diets“ are Budwig diet, Gerson’s regimen, lowcarb diet, cancer cure of Breuß and macrobiotic diet. These diets can be classified according to the principle idea of carcinogenesis as follows: cancer as a lack or abundance of a substance or as a consequence of pathological metabolism of cancer cells. Staying in line with a specific diet the patients are thought to be able to cure themselves or at least substantially contribute to cure. However, we did not find any scientific publication of a clinical study which describes positive results regarding survival. On the contrary, data show malnutrition and side effects.

Conclusion: There is no indication to consume a „cancer diet“. In some cases adverse effects can occur. Cancer patients who are discussing nutrition should be warned about taking up a „cancer diet”.