Pädiatrie up2date 2013; 08(03): 227-253
DOI: 10.1055/s-0032-1326475
Entwicklung
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Wie Kinder die Welt abbilden – und was man daraus folgern kann

Oskar Jenni
Further Information

Publication History

Publication Date:
03 September 2013 (online)

Fazit für die Praxis
  1. Viele Fachpersonen lassen die Kinder in der Praxis zeichnen. Das Zeichnen dient dabei dem Beziehungsaufbau mit dem Kind und den Eltern. Eine vertrauensvolle und tragfähige Beziehung zu Kind und Eltern ist eine Voraussetzung für das Gelingen von weiteren Untersuchungen, der Akzeptanz von Maßnahmen und der Möglichkeiten mit dem Kind in Beziehung zu treten. Wenn ein Kind in der Praxis zeichnen darf, wird seine Autonomie anerkannt und auf diese Weise eine gute emotionale Basis für weitere Untersuchungen geschaffen.

  2. Die kindliche Zeichnung kann in der Praxis als orientierendes und ergänzendes Verfahren eingesetzt werden (z. B. in kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen). Zeichnungen liefern zusammen mit den sprachlichen Äußerungen eines Kindes Hinweise auf den geistigen Entwicklungsstand, visuomotorische Fähigkeiten, visuelle und räumliche Wahrnehmung, Handlungsplanung, Gedächtnisfunktionen und Arbeitsverhalten eines Kindes. Die Beurteilung von Zeichnungen kann dabei für die Erarbeitung von klinischen Hypothesen hilfreich sein.

  3. Es ist wichtig, dass wir die große Vielfalt und die geschlechtstypischen Eigenheiten im Zeichnen von Kindern anerkennen. Die große Variabilität verbietet bestimmte Normerwartungen an die zeichnerische Begabung eines Kindes, besonders auch weil negative Rückmeldungen, Kritik und Verbesserungsvorschläge dazu führen können, dass das Kind die Lust und Motivation am bildnerischen Gestalten verliert.