Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2012; 47(5): 336-344
DOI: 10.1055/s-0032-1313572
Fachwissen
Anästhesiologie Topthema: Nervenschäden bei Regionalanästhesie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Nervenschäden bei Regionalanästhesie – Neurologische Komplikationen durch die Epiduralanalgesie

Neurologic complications after epidural analgesia
Daniel M Pöpping
,
Manuel Wenk
,
Hugo K Van Aken
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Publication History

Publication Date:
24 May 2012 (online)

Zusammenfassung

Die Epiduralanalgesie in Kombination mit einer Allgemeinanästhesie gilt derzeit als Goldstandard für große abdominelle oder thorakale Eingriffe. Neben den gut dokumentierten positiven Effekten auf den postoperativen Verlauf ist die Datenlage zu neurologischen Komplikationen weniger eindeutig. Mögliche neurologische Komplikationen umfassen epidurale Hämatome oder Abszesse, direkte Nervenschädigung durch den Punktionsvorgang oder Meningitiden. Der Übersichtsartikel stellt die derzeitige Datenlage zu den neurologischen Komplikationen dar und zeigt Möglichkeiten zur Prävention und frühzeitigen Detektion auf. Zudem wird das diagnostische und therapeutische Vorgehen im Falle einer neurologischen Komplikation erläutert.

Abstract

Epidural analgesia is regarded as gold standard after major abdominal or thoracic surgery in combination with general anaesthesia. Apart from well documented positive effects of epidural analgesia on the postoperative period, evidence for the incidence of neurologic complications is less clear. Complications include direct spinal cord damage during epidural puncture, epidural hematoma, abscesses or meningitis. The review article gives an overview about current data on neurologic complications related to epidural analgesia and shows feasibility of prevention and early detection. Furthermore a therapeutic approach in case of a neurologic incident will be demonstrated.

Kernaussagen

  • Die analgestische Effektivität der Epiduralanalgesie ist anerkannt. Dennoch ist das Verfahren durch die potenziell schweren Komplikationen nicht unumstritten.

  • Das spinale epidurale Hämatom ist eine schwere Komplikation, die mit der Anlage einer Epiduralanalgesie assoziiert sein kann und die nach neueren Untersuchungen häufiger als ursprünglich angenommen auftritt.

  • Der spinale epidurale Abszess zeigt eine Assoziation mit

    • einer Beeinträchtigung des Immunsystems,

    • einem höherem Patientenalter,

    • multiplen Punktionsversuchen und

    • einer Katheterliegedauer von über 4 Tagen.

  • Die Meningitis infolge der Anlage einer Epiduralanalgesie wird häufig durch Streptokokken der Viridansgruppe ausgelöst. Die Einhaltung der Hygienestandards bei Anlage einer Epiduralanalgesie ist unbedingt erforderlich.

  • Durch Anlage einer Epiduralanalgesie beim wachen Patienten können mögliche Rückenmarksverletzungen schnell erkannt werden.

  • Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist das Verfahren der Wahl bei Hinweisen auf komprimierende spinale Prozesse. Alternativ kann eine CT-Myelografie in Betracht gezogen werden.

  • Neben der operativen Entlastung ist besonders bei epiduralen Abszessen und Meningitiden eine antibiotische Therapie mit Vancomycin und Cephalosporinen der III. Generation zu empfehlen.

Ergänzendes Material