Krankenhaushygiene up2date 2012; 07(02): 72-73
DOI: 10.1055/s-0032-1310038
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Warmluftdecken in Laminar-Airflow-Ops

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Publikationsdatum:
27. Juni 2012 (online)

Obwohl die Bedeutung der Raumluft im OP und insbesondere der Nutzen von Laminar-Airflow(LAF)-Decken in der Literatur umstritten sind, werden diese insbesondere bei orthopädischen Operationen mit großen Implantaten in Europa nahezu routinemäßig und in den USA mitunter eingesetzt. Die Arbeitsgruppe um Daniel Sessler vom Department of Outcome Research der Cleveland Clinic, Ohio, ist in einer experimentellen Arbeit der Frage nachgegangen, ob Warmluftwärmedecken, die zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur der Patienten eingesetzt werden, die Luftqualität in einem LAF-OP verändern.

Die Prüfungen wurden nach DIN 1946 Teil 4 in 2 OPs mit LAF-Decke (Raumklasse 1a) durchgeführt. Ein Freiwilliger simulierte den Patienten und anstelle des Operationsteams wurden Dummys eingesetzt, die zur Simulation von Körperwärme auf 37 °C temperiert wurden, um eine Wärmeleistung von 800 Watt zu generieren. Es wurden 2 verschiedene Wärmedecken für den Oberkörper (Bair Hugger® upper body) bzw. für den unteren Körperbereich (Bair Hugger® lower body) getestet.

Deutliche Unterschiede bei der Partikelkonzentration zwischen den Messungen bei ausgeschalteten Wärmedecken, im Betriebsmodus „Umgebungstemperatur“ („ambient“) oder im Betriebsmodus „hohe Temperatur“ (43 °C) wurden nicht festgestellt. Mittels Rauchgenerator konnte gezeigt werden, dass die Elimination des Rauchs unabhängig vom Betriebszustand der Warmluftdecke funktionierte.

Die Autoren geben die Einschränkungen, die sich aus einer Simulationsstudie ergeben, zu bedenken und kommen zu dem Schluss, dass Warmluftdecken keine relevanten Auswirkungen auf die Partikelzahlen oder Strömungsverhältnisse im OP haben. Angesichts des nachgewiesenermaßen hohen infektionspräventiven Werts der Normothermie während einer OP, betrachten die Autoren Warmluftdecken als sichere und angemessene Wärmemethode – auch in Operationssälen mit LAF-Technik.

Fazit: Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich zwar um eine Simulationsstudie, die aber sehr aufwendig gestaltet ist und mit durchaus beeindruckenden Bildern belegt, dass Warmluftdecken bei sachgerechter Anwendung, entgegen der oft weit verbreiteten Vorstellung, keine Partikel ins OP-Feld pusten. Den Autoren, deren Arbeitsgruppe sich in vielen Studien sehr intensiv mit der intraoperativen Homöostase auseinandergesetzt hat, ist zuzustimmen, wenn sie die Bedeutung des Wärmemanagements für die Vermeidung postoperativer Infektionen hervorheben und die Warmluftdecken als ein geeignetes Werkzeug im Rahmen eines multimodalen Konzeptes für diesen Zweck beschreiben.

PD Dr. Sebastian Schulz-Stübner, Freiburg