Gastroenterologie up2date 2011; 7(3): 205-222
DOI: 10.1055/s-0030-1256861
Leber/Galle/Pankreas

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Leitliniengerechte Diagnostik und Therapie des Aszites

Alexander  Zipprich, Matthias  Dollinger
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Publication Date:
23 September 2011 (online)

Kernaussagen

Prognose

  • Aszites/Hydrothorax, spontan bakterielle Peritonitis/bakterielles Empyem oder hepatorenales Syndrom signalisieren eine prognostisch ungünstige Dekompensation der Leberzirrhose. Bei entsprechenden Patienten sollte immer eine Lebertransplantation als ultimative Therapie erwogen werden.

Aszites

  • Die diagnostische Parazentese in Verbindung mit der (Duplex-)Sonografie erlaubt eine minimal-invasive Abklärung eines neuaufgetretenen Aszites. Bei bekanntem Aszites sollte die Diagnostik bei jeder akuten Dekompensation oder Hospitalisation des Patienten wiederholt werden.

  • Die Therapieindikation bei Aszites richtet sich nach der Symptomatik; generell ist auf eine ausreichende Ernährung sowie eine restriktive Salzzufuhr zu achten. Patienten mit gutem Ansprechen auf Diuretika erhalten einen Aldosteronantagonisten +/- ein Schleifendiuretikum, Patienten mit therapierefraktärem bzw. rezidivierendem Aszites sollten für einen TIPS evaluiert werden.

Spontan bakterielle Peritonitis

  • Aufgrund der hohen Letalität der SBP hat sich neben der bisher empfohlenen sekundären Prophylaxe mittlerweile auch eine primäre Prophylaxe bei Patienten mit Risikofaktoren bzw. bei jeder GI-Blutung etabliert.

  • Therapeutisch kommen im Rahmen der Prophylaxe und bei ambulant behandelter SBP Chinolone per os zum Einsatz, bei stationär behandelten Patienten Cephalosporine oder Carbapeneme i. v. Aufgrund der zunehmend auftretenden Resistenzen sollte das lokale Keimspektrum insbesondere bei nosokomialen Infektionen berücksichtigt werden.

Hepatorenales Syndrom

  • Essenziell für Diagnose und Therapie eines hepatorenalen Syndroms ist der Ausschluss eines prärenalen Volumenmangels. Entsprechend ist das hepatorenale Syndrom definiert als Nierenfunktionsstörung trotz 48-stündiger Diuretika-Pause und – ggf. ZVD-gesteuerter – Volumenexpansion mittels Albumin i. v.

  • Aufgrund der hohen Letalität des HRS sollten alle Patienten direkt nach Diagnose für einen TIPS und/oder eine Lebertransplantation evaluiert werden. Patienten mit HRS Typ I können zusätzlich mit Terlipressin in Kombination mit Albumin i. v. behandelt werden, für das HRS Typ II existieren derzeit noch keine ausreichenden Daten für diese Behandlung.

Hepatischer Hydrothorax

  • Hepatischer Hydrothorax und spontan bakterielles Empyem (SBEM) beruhen auf denselben pathogenetischen Mechanismen wie Aszites und spontan bakterielle Peritonitis (SBP), Diagnostik und Standardtherapie können daher weitgehend übertragen werden.

  • Wesentlich bei den pulmonalen Komplikationen der Leberzirrhose sind die frühzeitige Evaluation invasiver Therapieoptionen wie TIPS oder Lebertransplantation, da Komplikationen häufiger und wesentlich schneller auftreten.

Literatur

Dr. med. PD Matthias Dollinger, PhD 

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I

Ernst-Grube-Straße 40
06097 Halle (Saale)

Email: matthias.dollinger@medizin.uni-halle.de