Radiologie up2date 2011; 11(2): 167-186
DOI: 10.1055/s-0030-1256444
Abdominelle und gastrointestinale Radiologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Entwicklungsstörungen, angeborene Erkrankungen des Pankreas, akute und chronische Pankreatitis

Congenital anomalies, hereditary diseases of the pancreas, acute and chronic pancreatitisH.-J.  Brambs, M.  Juchems
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Publication Date:
20 May 2011 (online)

Zusammenfassung

Pankreas divisum, Pankreas anulare und die Pankreasektopie sind die häufigsten Entwicklungsstörungen der Bauchspeicheldrüse. Patienten mit einem Pankreas divisum können eine erhöhte Anfälligkeit für eine akute oder chronische Pankreatitis aufweisen. Patienten mit einem Pankreas anulare können im Lauf ihres Lebens eine Duodenalstenose entwickeln. Das wichtigste Zeichen eines Pankreas divisum ist die Mündung des Pankreashauptgangs in die kleine Papille, getrennt von der Mündung des Gallengangs in die große Papille. Das Pankreas anulare imponiert als umschriebenes Pankreasgewebe, das den Zwölffingerdarm ummantelt. Das ektope Pankreas ist meist asymptomatisch, kann aber auch abdominale Beschwerden verursachen und mit submukösen Tumoren verwechselt werden.

Die akute Pankreatitis wird in eine milde und eine schwere Form eingeteilt. Bei der milden Form ist die transabdominale Sonografie die Untersuchung der Wahl, während bei schweren Formen mit ausgedehnten pankreatischen und peripankreatischen Nekrosen die CT bevorzugt wird. Es ist entscheidend, frühzeitig Zeichen und Kriterien zu erkennen, die eine erhöhte Infektionsgefahr anzeigen. Die MRT spielt bei der Beurteilung der akuten Pankreatitis bislang eine untergeordnete Rolle.

Die chronische Pankreatitis ist eine langjährige, entzündliche und vernarbende Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, die mit Schmerzen und einem Verlust der Funktion einhergeht. Die Schnittbildgebung hat die Aufgabe, Komplikationen zu erkennen und die Veränderungen von einem Pankreaskarzinom zu unterscheiden. Eine eigene Form ist die Autoimmun-Pankreatitis, die durch eine lymphoplasmatische Infiltration und Fibrose charakterisiert ist und i. d. R. gut auf Steroide anspricht.

Abstract

The most important congenital anomalies include pancreas divisum, annular pancreas and ectopic pancreas. Patients with pancreas divisum may be more susceptible to acute or chronic pancreatitis and patients with an annular pancreas may develop duodenal stenosis. In pancreas divisum the key finding is the visualization of the main duct draining into the duodenum via the small papilla, separated from the common bile duct. Annular pancreas may show as a well defined ring of pancreatic tissue that encircles the duodenum. Ectopic pancreas is usually asymptomatic but may give rise to abdominal complaints and may be confused with submucosal tumors.

Acute pancreatitis is classified as mild or severe. In mild forms ultrasound is the imaging modality of choice whereas in severe forms with extensive pancreatic and peripancreatic necroses computed tomography is the favored method. It is crucial to identify signs and criteria that come along with an increased risk of infection of the necroses. MRI plays an inferior role in the assessment of acute pancreatitis.

Chronic pancreatitis is a longstanding inflammatory and fibrosing process causing pain and loss of function. Cross-section imaging is particularly in demand for the detection of complications and the differentiation from pancreatic cancer. Autoimmune pancreatitis is a unique form of chronic pancreatitis characterized by lymphoplasmacytic infiltration and fibrosis, and favourable response to corticosteroid treatment.

Kernaussagen

  • Das Pankreas divisum, die häufigste Entwicklungsanomalie der Bauchspeicheldrüse, kann i. d. R. mit der MRCP diagnostiziert werden. Die intravenöse Gabe von Sekretin verbessert die diagnostische Qualität.

  • Die CT hat unverändert einen hohen Stellenwert bei der schweren Form einer akuten Pankreatitis und sollte in Kombination mit den Laborwerten und dem klinischen Bild gewertet werden. Die Untersuchung ist im Prinzip auch ohne Kontrastmittelgabe möglich, sollte aber frühestens 24 – 36 h nach Beginn der akuten Symptomatik durchgeführt werden.

  • Die wichtigsten Parameter zur Beurteilung der Schwere der Erkrankung sind das Ausmaß der Parenchymnekrosen und der peripankreatischen Flüssigkeitsansammlungen, die sich aus Exsudat und Fettgewebsnekrosen zusammensetzen.

  • Da die Infektion der Nekrosen einen entscheidenden Einfluss auf den Krankheitsverlauf hat, sind die Indizien zu beachten, die auf eine erhöhte Infektionsgefährdung hinweisen. Gasansammlungen sind ein zuverlässiges Zeichen einer Infektion. Je ausgedehnter die Nekrosen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion, wobei insbesondere eine große Kontaktfläche zwischen den Nekrosen und dem Darm das Risiko erhöht. Bei Adipositas und bei ERCP-induzierter Pankreatitis besteht ebenfalls eine erhöhte Infektionsgefahr.

  • Bei frühen Formen einer chronischen Pankreatitis ist die Bildgebung unzuverlässig. Häufigste Indikationen sind Komplikationen wie die Entwicklung von Pseudozysten, Blutungen und Obstruktion von Gallengang und Duodenum.

  • Die Autoimmun-Pankreatitis, die fokal oder diffus auftreten kann, gewinnt zunehmend klinisches Interesse. Dabei spielt die Bildgebung eine herausragende Rolle. Eine besondere Herausforderung ist die Unterscheidung einer fokalen Form von einem Pankreaskarzinom.

Literatur

Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Brambs

Abteilung für diagnostische und interventionelle Radiologie der Universitätsklinik Ulm

Steinhövelstr. 9
89075 Ulm

Email: hans-juergen.brambs@uniklinik-ulm.de