Hintergrund: Die Entwicklung und Implementierung der S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge
des Mammakarzinoms“ soll die nationale Versorgungssituation optimieren. Eine Beeinflussung
patientenrelevanter Outcomes durch die Implementierung der Leitlinie ist bislang aber
noch nicht systematisch untersucht worden.
Methoden: In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden insgesamt 3.976 Patientinnen mit primärem
Mammakarzinom mit Erstdiagnose im Zeitraum 2001–2005 analysiert, die in der Universitätsfrauenklinik
Ulm und benachbarten, kooperierenden zertifizierten Brustzentren behandelt wurden.
Auf der Grundlage der S3-Leitlinie wurde ein Modell entwickelt, welches eine Bewertung
der Therapie in „leitlinienkonform“ (LL-konform) und „nicht Leitlinien-konform“ (nicht
LL-konform) ermöglicht.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 2.063 Patientinnen vollständig nach den Empfehlungen der Leitlinie
behandelt. Bei der Therapie von 1.913 Patientinnen kam es in mindestens einer Empfehlung
zu einer Leitlinienverletzung. Im Vergleich dieser beiden Gruppen zeigte sich, dass
die leitlinienkonforme Behandlung einen signifikanten Einfluss auf das rezidivfreie
Überleben und das Gesamtüberleben (p=0,0001) hatte. Je höher die Anzahl der Abweichungen
von den Leitlinienempfehlungen war, desto niedriger war das Gesamtüberleben (p=0,0001).
Ein höheres Lebensalter bei Erstdiagnose ging zusätzlich mit einer Abnahme der LL-konformen
Behandlung einher. Zu den meisten Leitlinienverletzungen kam es in den Bereichen adjuvanten
Strahlen- und Chemotherapie.
Schlussfolgerung: Patientinnen mit Mammakarzinom sollten leitlinienkonform behandelt werden. Die Ursachen
für Abweichungen von den Leitlinienempfehlungen und Barrierefaktoren bei der Implementierung
der Leitlinie müssen zukünftig evaluiert werden, um eine weitere Optimierung der Behandlungsergebnisse
zu erzielen.