Gastroenterologie up2date 2009; 5(2): 115-127
DOI: 10.1055/s-0029-1214869
Darm/Anorektum

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Divertikulose und Divertikulitis

Mod. n. Erstpublikation in Dtsch Med Wochenschr 2008; 133: 1437 – 1446Volker  Gross, Christoph-Thomas  Germer
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Publication Date:
30 June 2009 (online)

Kernaussagen

Epidemiologie und Diagnostik

  • Die Kolondivertikulose ist eine der häufigsten Darmerkrankungen. Die Prävalenz nimmt mit steigendem Alter zu. Risikofaktoren für die Divertikulose sind ballaststoffarme Kost, der vermehrte Verzehr von rotem Fleisch sowie mangelnde körperliche Aktivität. Ca. 75 % der Divertikelträger bleiben lebenslang asymptomatisch.

  • Die Divertikulitis ist die häufigste Komplikation der Divertikulose.

  • Die Diagnostik bei Verdacht auf akute Divertikulitis umfasst neben klinischer Untersuchung und Laborchemie die Bildgebung (insbesondere Ultraschall und CT). Ziel der Initialdiagnostik ist die Sicherung der Diagnose sowie die Stadieneinteilung der Divertikulitis.

  • Anhand bildgebender Verfahren wird zwischen akuter unkomplizierter Divertikulitis (Stadium I) und akuter komplizierter Divertikulitis (Stadium II) unterschieden. Das Stadium II umfasst die phlegmonöse Divertikulitis (Stadium IIa), die abszedierende Divertikulitis (Stadium IIb) und die freie Perforation mit Peritonitis (Stadium IIc).

Therapie

  • Die Therapie der akuten Divertikulitis erfolgt stadienadaptiert: Im Stadium I konservativ, im Stadium IIa in Abhängigkeit vom Ansprechen auf die konservative Behandlung konservativ oder operativ, im Stadium IIb in der Regel nach konservativer Anbehandlung operativ, im Stadium IIc immer notfallmäßig operativ. Die chronische Divertikulitis mit strukturellen Veränderungen wie Stenosen oder Fisteln (Stadium III) wird operativ behandelt.

  • Nach konservativer Therapie eines akuten Divertikulitisschubes besteht ein relativ hohes Rezidivrisiko (ca. 10 – 30 %). Divertikulitisrezidive werden in der Regel wie der erste Divertikulitisschub behandelt. Die Operationsindikation nach Divertikulitisrezidiv erfolgt individuell unter Berücksichtigung des Divertikulitisstadiums und patientenspezifischer Faktoren.

  • Zur Rezidivprophylaxe nach akuter Divertikulitis wird in der Regel eine ballaststoffreiche Kost mit dem Ziel der Vermeidung der Obstipation empfohlen, obwohl diesbezüglich keine evidenzbasierten Daten vorliegen. Der Wert einer medikamentösen Rezidivprophylaxe mit Mesalazin, Rifaximin oder Probiotika ist bisher nicht ausreichend belegt.

Literatur

Prof. Dr. med. Volker Gross

Medizinische Klinik II
Klinikum St. Marien

Mariahilfbergweg 7
92224 Amberg

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