Klin Monatsbl Augenheilkd 2009; 226(8): 594-595
DOI: 10.1055/s-0028-1109674
Editorial

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prof. Dr. Christian Ohrloff – eine liberale Persönlichkeit – gewidmet zum 65. Geburtstag

Prof. Dr. Christian Ohrlof – a liberal personality– dedicated to his 65th birthdayT. Kohnen1
  • 1Klinik für Augenheilkunde, Goethe-Universität Frankfurt
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
11.August 2009 (online)

Diese August- und September-Ausgaben der Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde mit Übersichts-, Originalarbeiten und Kasuistiken ist von Weggefährten, Doktoranden, Habilitanden, Mitarbeitern und Freunden verfasst. Sie sind Herrn Prof. Dr. Christian Ohrloff zu seinem 65. Geburtstag gewidmet.

Christian Ohrloff wurde am 14.1.1944 in Krakau/Polen geboren. Nach dem Abitur am Gymnasium in Leer/Ostfriesland studierte er Humanmedizin in Frankfurt, Freiburg und Wien. Das Staatsexamen legte er 1968 in Freiburg ab und arbeitete für zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Freiburg (Leiter: Prof. Dr. H. Holzer und Prof. Dr. K. Decker). Aus diesem Institut stammt auch seine Promotionsarbeit unter K. Decker zum Thema „Regulation der NADH-Ferrodoxin-Reduktase aus Clostridium Kluyvery”. 1970 – 1971 war er als Medizinalassistent in der chirurgischen Abteilung des Auguste-Viktoria-Krankenhauses in Berlin sowie der inneren Abteilung der II. Medizinischen Klinik der Universität München tätig und vertrat als Landarzt einen erkrankten Kollegen in dessen Allgemeinarztpraxis in Heitersheim.

Es folgten Studienreisen durch Asien und Südamerika, bevor er 1972 als wissenschaftlicher Assistent im Klinischen Institut für experimentelle Ophthalmologie der Universität Bonn (Direktor: Prof. Dr. E. Weigelin) begann. In der biochemischen Abteilung unter der Leitung von O. Hockwin befasste er sich besonders mit klinischer Grundlagenforschung.

Seine weitere umfassende Ausbildung in Diagnostik, konservativer und operativer Behandlung von Augenerkrankungen erhielt er an der Augenklinik der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Direktor: Prof. Dr. W. Best, später Prof. Dr. M. Spitznas) vor allem durch U. Dardenne, u. a. aber auch durch I. Kreissig und H. Kaufmann.

Es folgte 1979 die Habilitation für das Lehrgebiet „Augenheilkunde und experimentelle Ophthalmologie” mit der Arbeit „Altern der Augenlinse – Untersuchungen über molekulare und funktionelle Veränderungen von Enzymen des Kohlenhydratstoffwechsels während des Alterungsprozesses, die Anlass zur Entwicklung seniler Linsentrübungen sein könnten” – eine Thematik, die sein weiteres Berufsleben prägte. Seine wissenschaftlichen Hauptarbeitsgebiete waren damals die Biochemie und Toxikologie der Katarakt sowie Mikrochirurgie und die Arzneimittel(neben)wirkungen am Auge. Im gleichen Jahr erhielt er in Paris den A. E. R.-Award (Association for Eye Research) für die beste Veröffentlichung in der ophthalmologischen Grundlagenforschung mit der Arbeit „Untersuchungen des Verteilungsmusters der Aldolase-Isoenzyme A, B und C und Bestimmung inaktiver Enzymmoleküle in Linsen verschiedenen Alters durch quantitative immunologische Präzipitation”.

Ebenfalls im Jahr 1979 wurde Christian Ohrloff zum Oberarzt (H2-Stelle) ernannt. Den Ruf auf eine C 3-Professur auf Lebenszeit für „Klinische Ophthalmologie mit dem Schwerpunkt Ophthalmochirurgie” am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität Berlin lehnte er 1981 ab und erhielt ein Jahr später in Bonn die Ernennung zum C 3-Professor auf Zeit.

1983 zog es Christian Ohrloff erneut ins Ausland. Er folgte einer Einladung der Professoren D. Apple und R. Olson nach Utah, Salt Lake City und nahm im Rahmen dieses Aufenthalts auch Studienaufenthalte und Gastvorträge in Rochester, New Orleans, New York und Maryland wahr.

1988 übernahm Christian Ohrloff als Nachfolger von W. Doden die Leitung der Augenklinik der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Die klinischen Schwerpunkte seiner Arbeit bildeten anfänglich Kataraktoperationen, die Implantation künstlicher Linsen, Hornhauttransplantationen und die Operationen des Glaskörpers, später erweitert um Glaukom- und Hornhautchirurgie sowie plastisch-rekonstruktive Chirurgie der Lider. Einen Ruf an die Universität Graz hatte er zuvor abgelehnt. Mit seinem Sachverstand, seiner Umsicht und vor allem seiner aufgeschlossenen Persönlichkeit wurden ihm viele verantwortungs- aber auch ehrenvolle Ämter übertragen, so war er u. a. Mitglied des Vorstandes der Universitätsklinik Frankfurt am Main und Prodekan der medizinischen Fakultät, Vorsitzender des Forschungsausschusses (1996 – 2001) und seit 2004 auch Mitglied im Aufsichtsrat der Universitätsklinik Bonn. 10 Kollegen/innen haben sich unter seiner Führung habilitiert und leitende Klinikstellen besetzt.

Parallel zu seiner Hochschultätigkeit engagiert sich Christian Ohrloff in vielen Fachgesellschaften, so z. B. als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation und refraktive Chirurgie (DGII) 1996 – 2000, deren Tagungen er in den Jahren 1997 und 1999 in Frankfurt ausrichtete. Als Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) fungierte er 1999 – 2000, im Gesamtpräsidium der DOG ist er bis heute als Pressesprecher tätig. Sehr gerne erinnern wir uns an „seine” DOG in Berlin im Jahre 2000, wo er als Festredner keinen geringeren als den früheren Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland, Hans-Dietrich Genscher, gewinnen konnte. Die Festrede gehört wohl zu den Höhepunkten der letzten Dekaden und zeigt auch die ständigen guten Beziehungen Ohrloffs zur politischen Szene seit seiner Tätigkeit in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn.

Des Weiteren ist oder war er über viele Jahre engagiert u. a. bei der American Society of Cataract and Refractive Surgery (ASCRS), Association for Research in Vision and Ophthalmology (ARVO), American Academy of Ophthalmology (AAO), European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS), der Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte und er ist eines der wenigen deutschen Mitglieder des auf 250 Mitglieder limitierten International Intraocular Implant Club (IIIC). Für wissenschaftliche Zeitschriften engagiert sich Ohrloff im Redaktionskomitee (editorial board) für Der Ophthalmologe, European Journal of Implant and Refractive Surgery, Ophthalmic Research, Ophthalmochirurgie und ist seit 1993 Herausgeber von Ophthalmologica.

Neben seinem Beruf in der Augenheilkunde hat Christian Ohrloff weitere Interessensgebiete wie Politik, Kunst, Literatur und Sport. So ist er nicht einseitig festgelegt, sondern aufgeschlossen, lebenserfahren und – das wissen seine Mitarbeiter und Freunde sehr zu würdigen – dem Einzelnen mit seinen Problemen immer zugewandt.

Bei der Widerspiegelung all seiner Tätigkeitsbereiche und persönlichen Einsätze ist die tragende Grundlage seines Schaffens, die nicht unerwähnt bleiben darf, seine Familie. 1974 heiratete er seine Frau Barbara und feierte nun seinen 65. Geburtstag im Kreise seiner Familie mit seinen Kindern Franziska, Maximilian und Chiara. Christian Ohrloff, selbst so warmherzig und menschlich, weiß am besten um die Wärme und Geborgenheit, die er seiner Familie gibt und zugleich von ihr so reichlich empfängt.

Christian Ohrloff ist bereits mit seiner hünenhaften Gestalt eine eindrucksvolle Erscheinung auf dem ophthalmologischen Parkett. Sein verbindliches Wesen und ausgleichendes taktisches Geschick haben ihn zum vertrauten Vermittler im Streit zwischen den ambulanten Ophthalmochirurgen und den Kliniken werden lassen. Er wird von beiden Gruppierungen gleichermaßen geachtet und akzeptiert.

Wenn ich Christian Ohrloff mit einem Wort beschreiben müsste, fiele mir für ihn der Begriff „LIBERAL” ein; dabei stehen die Anfangsbuchstaben dieses Wortes für die Eigenschaften:

L für Leitwolf
I für integer
B für Baum
E für ehrenwert
R für robust
A für aufrichtig
und L für lebensfroh.

In diesen Ausgaben der Klinischen Monatsblätter wird die Augenheilkunde mit 19 Arbeiten in ihrer Vielfalt dargestellt und spiegelt damit zugleich das Interesse und breite Wissen Christian Ohrloffs in der Augenheilkunde wieder. Unter seiner Führung bietet die Klinik für Augenheilkunde der Goethe-Universität, Frankfurt am Main ein breites Spektrum an Behandlungen, Forschung und Lehre. So befassen sich die Autoren dieser Ausgaben auch dementsprechend mit den Schwerpunktthemen der Klinik: die Vorderabschnittschirurgie – dabei besonders die Kataraktoperation und refraktive Chirurgie –, die physiologische Optik und Hornhauttherapie/-chirurgie, Orthoptik und Strabologie, Glaskörper- und Netzhauttherapie/-chirurgie und nicht zuletzt mit den heute immer wichtigeren Themen wie Gutachterwesen, Gesundheitsökonomie und Qualitätsmanagement. Die Bereitwilligkeit der Autoren, an diesem Heft mitzuwirken, zeigt ihre Wertschätzung.

Im Namen der Autoren möchte ich den Herausgebern der klinischen Monatsblättern, Gabriele E. und Gerhard K. Lang, für die Möglichkeit danken, dieses Heft zu gestalten und mit dieser Veröffentlichung Christian Ohrloff nochmals herzlich gratulieren.

Thomas Kohnen

Abb. 1 Prof. Dr. Christian Ohrloff bei seiner Feier in der Klinik für Augenheilkunde, Goethe-Universität Frankfurt anlässlich seines 65. Geburtstags.