psychoneuro 2008; 34(6/07): 290
DOI: 10.1055/s-0028-1082343
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Orales Medikament bei Multipler Sklerose - Phase-II-Studie mit Laquinimod erfolgreich

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Publikationsdatum:
31. Juli 2008 (online)

 

Bisher müssen Medikamente zur Therapie der Multiplen Sklerose (MS) injiziert werden - entweder intramuskulär, subkutan (Interferone, Glatirameracetat) oder intravenös (Mitoxantron, Natalizumab). Ein oral wirksames Medikament, Laquinimod, hat jetzt eine weitere Phase-II-Studie erfolgreich abgeschlossen. In einer ersten Phase-II-Studie mit 209 Teilnehmern verringerte Laquinimod (0,3mg/d) die mittlere kumulierte Anzahl der aktiven Läsionen im MRT um 44%, verglichen mit Placebo [1].

Der Wirkmechanismus von Laquinimod ist noch weitgehend ungeklärt, unterscheidet sich aber von dem der Interferone. Aus Tierversuchen ist bekannt, dass die Infiltration von Entzündungszellen in das zentrale Nervensystem unterdrückt wird und so das Immunsystem moduliert wird.

In einer zweiten randomisierten Phase-II-Studie untersuchten jetzt Comi und Mitarbeiter Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von oral eingenommenem Laquinimod in 2 unterschiedlichen Dosierungen [2]. In die Studie eingeschlossen wurden Patienten, die mindestens einen MS-Schub im vorangegangenen Jahr mit zumindest einer Gadolinium anreichernden Läsion im MRI erlitten hatten. 306 Patienten mit MS erhielten für 24 Wochen randomisiert entweder Placebo, 0,3mg/d oder 0,6mg/d Laquinimod. Einmal monatlich wurden Veränderungen mittels MRI-Scan und klinischer Tests bis zu Woche 36 nach Behandlungsbeginn untersucht. Primärer Messparameter war die Anzahl aktiver Gadolinium anreichernder Läsionen. Die mittlere kumulierte Anzahl der aktiven Läsionen im MRT verringerte sich in der 0,6-mg-Gruppe um 40,4% im Vergleich zu Placebo. In der 0,3-mg-Gruppe erreichte der Unterschied keine statistische Signifikanz. Die Verträglichkeit in beiden Dosierungen wurde als gut bezeichnet, auch wenn bei einigen Patienten die Leberenzyme reversibel anstiegen. Bei einem Patient mit bestehender Hyperkoagulabilität trat nach einem Monat unter 0,6mg/d ein Budd-Chiari-Syndrom auf, bei dem es zu einem vollständigen oder teilweisen Verschluss der Lebervenen durch Bildung von Blutgerinnseln kommt.

Wirksamkeit und Verträglichkeit werden nun in einer Phase-III-Studie weiter untersucht.

Nach Einschätzung der Autoren bietet oral gegebenes Laquinimod eine vielversprechende Option für Patienten mit schubförmig verlaufender MS.

KW

Literatur

  • 01 Polman C . et al . Laquinimod in Relapsing MS Study Group. Treatment with laquinimod reduces development of active MRI lesions in relapsing MS.  Neurology. 2005;  64 987-991
  • 02 Comi G . et al . The effect of two doses of laquinimod on MRI-monitored disease activity in patients with relapsing-remitting multiple sclerosis: a multi-center, randomized, double-blind, placebo-controlled study.  Lancet. 2008;  371 2085-2092
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