Klin Monbl Augenheilkd
DOI: 10.1055/a-2729-7463
Klinische Studie

Humphrey vs. Compass: eine vergleichende Studie zweier Perimetriegeräte

Article in several languages: English | deutsch

Authors

  • Antoine Capucci

    1   Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster, Münster, Deutschland
  • Kai Rothaus

    1   Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster, Münster, Deutschland
  • Stefanie Müller

    1   Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster, Münster, Deutschland
  • Claudia Lommatzsch

    1   Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster, Münster, Deutschland
    2   Universitäts-Augenklinik Lübeck, UKSH, Lübeck, Deutschland

Zusammenfassung

Hintergrund Die Untersuchung des Gesichtsfeldes ist für die Glaukomdiagnostik essenziell, jedoch kann die Mitarbeit des Patienten die Zuverlässigkeit der Ergebnisse beeinträchtigen. Das COMPASS-Perimeter (COM; CentreVue-iCare, Padova, Italien) bietet einen innovativen Ansatz zur Verbesserung der Testqualität durch Kompensation von Fixationsverlusten und automatische Verlagerung von Lichtreizen. Außerdem ermöglicht es die simultane Fundusfotografie während der Perimetrie. In dieser prospektiven Studie vergleichen wir die COM-Perimetrie mit dem Humphrey Field Analyzer (HFA) bei Glaukompatienten und gesunden Probanden hinsichtlich Gesichtsfeldparametern, Reproduzierbarkeit und Patientenzufriedenheit. Ziel ist es, die klinische Anwendbarkeit und den potenziellen Mehrwert des COM-Perimeters zu evaluieren.

Methoden 113 Augen (67 Glaukom, 46 gesund) wurden sowohl mit COM (24 – 2 ZEST) als auch mit HFA (24 – 2 SITA-Standard) getestet. Es wurden mittlere Abweichung (MD), Musterstandardabweichung (PSD), Testdauer (TD) und subjektive Erfahrungen der Patienten erfasst. Die Reproduzierbarkeit wurde durch die Analyse wiederholter Messungen an zehn gesunden Probanden bewertet.

Ergebnisse Im Gesamtkollektiv wurde mit dem COM eine MD von − 2,8 ± 5,7 dB und eine PSD von 4,3 ± 3,5 dB gemessen. Der HFA zeigte im Vergleich dazu eine MD von − 4,4 ± 5,6 dB und eine PSD von 3,2 ± 3,1 dB. Die durchschnittliche Testdauer lag bei 412 ± 94 s für COM und bei 341 ± 72 s für HFA. Die subjektive Patientenzufriedenheit war bei COM signifikant höher (p < 0,00 001) als bei HFA. Beide Tests zeigten eine hohe Reproduzierbarkeit ohne signifikante Unterschiede bei wiederholten Messungen.

Schlussfolgerungen Das COM-Perimeter und der HFA Field Analyzer zeigten signifikante Unterschiede in den Parametern MD, PSD und Testdauer. Die höhere Patientenzufriedenheit und potenzielle bessere diagnostische Spezifität deuten darauf hin, dass COM eine vielversprechende Methode zur Erkennung von Gesichtsfeldausfällen bei Glaukompatienten darstellt. Die beobachtete höhere Spezifität des COM-Perimeters ist potenziell auf das integrierte Eye-Tracking-System zurückzuführen. Die Verwendung und Weiterentwicklung dieser Technik könnte eine höhere Präzision der Glaukomdiagnostik in der klinischen Praxis ermöglichen.

Conclusion Box

Already known:

  • Visual field measurement continues to play a major role in glaucoma diagnostics, especially when the floor effect is reached in OCT diagnostics, from which no further progression can be detected [1].

  • The high variability of visual field measurements in advanced glaucoma stages poses a challenge in the evaluability of the examination and may also mask the progression of glaucoma.

  • HFA perimetry is a globally established, computer-based method for the precise measurement of the visual field.

Newly described:

  • COM perimetry shows comparable diagnostic performance to HFA perimetry in the detection of visual field defects. The close correlation of the measured values (MD, PSD) underlines this comparability. At the same time, our results indicate a tendency for COM to be more sensitive or specific than HFA. This may be related to the multi-parametric GSS2 staging system, whereas the classification with HFA in our analysis was based solely on the MD values. Future studies should examine the test accuracy of COM more closely in subgroups stratified by glaucoma severity.

  • Advantages of COM perimetry include eye tracking, automatic refraction correction, and simultaneous high-quality fundus photography, which provides additional diagnostic value and supports efficient clinical evaluation.

  • The results of the patient survey indicate a higher satisfaction and acceptance of COM perimetry compared to HFA perimetry, which could improve compliance and adherence at regular follow-up visits and thus contribute to optimal glaucoma care.

Fazitbox

Bereits bekannt:

  • Die Gesichtsfeldmessung hat weiterhin einen hohen Stellenwert in der Glaukomdiagnostik insbesondere beim Erreichen vom Floor-Effekt in der OCT-Diagnostik, ab dem keine weitere Progression mehr detektiert werden kann [1].

  • Die hohe Variabilität der Gesichtsfeldmessungen in fortgeschrittenen Glaukomstadien stellt eine Herausforderung bei der Auswertbarkeit der Untersuchung und kann ggf. auch die Progression des Glaukoms maskieren.

  • HFA-Perimetrie ist ein weltweit etabliertes, computergestütztes Verfahren zur präzisen Messung des Gesichtsfeldes.

Neu beschrieben:

  • Die COM-Perimetrie zeigt eine vergleichbare diagnostische Leistung zur HFA-Perimetrie bei der Erkennung von Gesichtsfelddefekten. Die enge Korrelation der Messwerte (MD, PSD) unterstreicht diese Vergleichbarkeit. Gleichzeitig weisen unsere Ergebnisse auf eine tendenziell höhere Sensitivität bzw. Spezifität von COM im Vergleich zu HFA hin. Dies hängt möglicherweise mit dem multiparametrischen GSS2-Staging-System, während die Klassifikation beim HFA in unserer Auswertung allein auf den MD-Werten beruhte. Zukünftige Arbeiten sollten die Testgenauigkeit von COM von Subgruppen nach Glaukomschweregrad genauer untersuchen.

  • Vorteile der COM-Perimetrie umfassen Eye-Tracking, automatische Refraktionskorrektur sowie die simultane qualitativ hochwertige Fundusfotografie, die zusätzlichen diagnostischen Mehrwert bietet und eine effiziente klinische Beurteilung unterstützt.

  • Die Ergebnisse der Patientenbefragung deuten auf eine höhere Zufriedenheit und Akzeptanz der COM-Perimetrie im Vergleich zur HFA-Perimetrie hin, was die Compliance und Adhärenz bei regelmäßigen Verlaufskontrollen verbessern und somit zu einer optimalen Glaukombetreuung beitragen könnte.



Publication History

Received: 02 January 2025

Accepted: 15 October 2025

Accepted Manuscript online:
22 October 2025

Article published online:
26 January 2026

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