Zusammenfassung
Ziel
In Deutschland ist am 1. April 2024 eine Teil-Legalisierung von Cannabis zum
Freizeitkonsum in Kraft getreten, welche auch eine inhaltliche Anpassung der
bestehenden verhaltensbezogenen Cannabisprävention notwendig machen dürfte.
Die Zielsetzung der Expert*innen-Befragung war es, empirische Hinweise für
einen möglichen Überarbeitungsbedarf von vorhandenen cannabisbezogenen
Programmen, Projekten und Materialien zu erhalten, damit – wie mit dem
Konsumcannabisgesetz beabsichtigt – die cannabisbezogene Aufklärung und
Prävention gestärkt werden kann.
Methodik
Unter Anwendung der Delphi-Methode sind Expert*innen zum
Untersuchungsgegenstand in zwei Befragungsrunden iterativ befragt worden.
Beteiligt haben sich 21 ausgewählte Cannabis-Expert*innen, die in
Fachstellen der Suchtprävention, übergreifenden Einrichtungen für
Suchtfragen, universitären oder gemeinnützigen Forschungsinstituten sowie
Suchtreferaten von Landesministerien tätig sind.
Ergebnisse
Als zentrales Ergebnis der Expert*innen-Befragung kann festgehalten werden,
dass eine zukünftig stärkere Fokussierung auf Maßnahmen der
Schadensminimierung für die Zielgruppe der Erwachsenen empfohlen wird. Das
drückt sich zum einen bei den genannten neuen Zielgruppen wie Konsumierende
oder konsumierende Eltern, den gewünschten Themenbereichen (z. B.
Informationen zu einzelnen Substanzen und Konsumformen) oder auch bei der
Zustimmung zu Harm-Reduction-Empfehlungen aus. Für die Zielgruppe der
Jugendlichen wird dagegen von den Expert*innen ein geringerer
Veränderungsbedarf an der vorherigen Cannabisprävention konstatiert; die
Abstinenzorientierung soll in jedem Fall bestehen bleiben.
Schlussfolgerung
Die Empfehlungen der Expert*innen besitzen eine hohe Praxisrelevanz. Die
Ergebnisse der Befragung liefern wichtige Hinweise für eine evidenzbasierte
Stärkung der Cannabisprävention, die bei der Entwicklung und Implementierung
zukünftiger Maßnahmen der Cannabisprävention berücksichtigt werden
sollten.
Abstract
Purpose
In Germany, a partial legalization of cannabis for recreational use came into
force on April 1, 2024, which may also require an adjustment of existing
behavioral cannabis prevention. The objective of the expert survey was to
obtain empirical evidence for a possible revision of existing
cannabis-related programs, projects and materials so that – as intended with
the new cannabis law – cannabis-related education and prevention can be
strengthened.
Methods
Using the Delphi method, experts were iteratively surveyed on the subject of
the study in two rounds of surveys. Participants included 21 selected
cannabis experts who work in addiction prevention centers, regional offices
for addiction issues, university or non-profit research institutes, and
addiction departments of federal state ministries.
Results
The key result of the expert survey is that a stronger focus on harm
reduction measures is recommended for the adult target group in the future.
This is reflected in the new target groups mentioned, such as users or
parents who use cannabis, the desired subject areas (e. g. information on
individual substances and forms of consumption) or in the agreement with
harm reduction recommendations. For the target group of young people, on the
other hand, the experts state that there is less need for change with regard
to existing cannabis prevention measures; the focus on abstinence should
persist in any case.
Conclusion
The experts' recommendations are highly relevant to practice. The
results of the survey provide important information for an evidence-based
enhancement of cannabis prevention, which needs to be taken into account in
the development and implementation of future cannabis prevention
measures.
Schlüsselwörter
Cannabis - Legalisierung - Prävention - Befragung Expert*innen
Keywords
cannabis - legalization - prevention - expert survey