Kinder- und Jugendmedizin 2020; 20(05): 279-280
DOI: 10.1055/a-1206-4054
Editorial
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Kinder- und Jugendmedizin

Freerk Prenzel
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21 October 2020 (online)

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Dr. med. Freerk Prenzel

Liebe Leserinnen und Leser,

in unserer Medizin steigt die Komplexität. In diesem Wortkompositum steckt das lateinische cum und plectere im Sinne von „verflochten“. Gleichzeitig „verflechten“, oder besser vernetzen, wir uns in der Allergologie fächerübergreifend zu zertifizierten Comprehensive Allergy Centers (CAC) als Antwort auf steigende Patientenzahlen und eben komplexere Fragen. Dieses Heft wurde gestaltet von unserem CAC, dem Leipziger interdisziplinären Centrum für Allergologie (LICA). Das Heft enthält ebenfalls Beiträge aus dem Universitäts AllergieCentrum (UAC) Dresden, was die Netzwerkbildung dokumentiert.

Wir haben überlegt, wie wir der Komplexität beim Wissenstransfer gerecht werden können. Ich bin dem Herausgeber Professor Wieland Kiess und der Redakteurin der Zeitschrift Kinder- und Jugendmedizin Frau Dipl.-Ök. Gesine Nagl äußerst dankbar, dass Sie ein besonderes Konzept für dieses Heft mitgetragen haben. Die Autorinnen und Autoren haben in ihren kompakten Referaten Antworten gegeben auf aktuelle Fragen in den verschiedenen Bereichen der pädiatrischen Pneumologie und Allergologie.

Wir haben in den letzten Jahren klarer erkannt, dass es für Patienten und Patientinnen mit Hymenopterengiftallergie einerseits Sicherheit bedeutet, ein Notfallset zu haben, andererseits erzeugt diese Notwendigkeit auch Last. Daher widmen sich Frau Professorin Treudler und Herr Professor Simon in ihrer Arbeit der Frage, welche Patienten, wann ihr Notfallset ablegen können.

Im Kindes- und Jugendalter sind allergische Erkrankungen das häufigste Gesundheitsproblem, ein Drittel aller Erwachsenen leidet an allergischer Rhinokonjunktivitis. Gerade bei jungen Kindern ist bei allergischer Rhinitis das Risiko für ein Asthma bronchiale stark erhöht. All dies zeigt, dass es integrierter Versorgungskonzepte bedarf, die auf die jeweiligen nationalen Gesundheitssysteme angepasst werden müssen. Dr. Just und Professor Dietz fassen die Empfehlungen der ARIA-Leitlinie in ihrem Artikel zusammen.

Die Prävalenz von Nahrungsmittelallergien bei Kindern ist mit bis zu 8 % hoch. Ist die Allergie schwer, werden oft das ganze Familiensystem, der Besuch der Kindereinrichtungen oder der Schule dadurch beeinflusst. Ängste und Störungen des Essverhaltens sind keine Seltenheit. Es ist entsprechend erfreulich, dass es Innovationen sowohl bei Diagnostik und Therapie gibt.

Der Goldstandard in der Diagnostik ist die Nahrungsmittelprovokation. Diese bedeutet jedoch meist stationäre Aufenthalte und venöse Punktionen. Entwickelt sich der Basophilen-Aktivierungstest hier zu einem Surrogat, das dies vermeiden hilft? Dr. Remmler, Professor Isermann und PD Dr. Kaiser geben einen Überblick über den aktuellen Stand. Die spezifische Immuntherapie ist für allergische Rhinitis und Asthma bronchiale etabliert. Dr. Nemat und Dr. Meister beantworten, ob auch eine spezifische Toleranzinduktion bei schwerer Nahrungsmittelallergie möglich ist. Biologika haben die therapeutischen Optionen für atopische Erkrankungen wie Asthma und das atopische Ekzem erheblich erweitert. Dr. vom Hove et al. widmen sich der Frage, ob Biologika auch bei schwerer Nahrungsmittelallergie erfolgreich eingesetzt werden können.

Professor Vogelberg hat mit vielen Studien dazu beigetragen, dass wir Tiotropium jetzt als Therapieoption bei Asthma für Kinder und Jugendliche zur Verfügung haben. Da die Entzündungskontrolle beim Asthma im Zentrum steht, geht er in seinem Artikel der Frage nach, ob Tiotropium auch anti-inflammatorisch wirksam ist.

Eine frühe Erkennung und Therapie einer Mukoviszidose ist für Kinder mit einem besseren Outcome assoziiert. Dies war einer der wesentlichen Gründe des vor drei Jahren bundesweit eingeführten Neugeborenenscreenings für CF. In seiner Arbeit zieht Professor Mainz ein Fazit, ob noch Kinder mit der Erkrankung verpasst werden und wir ergo auch klinisch weiter Ausschau halten müssen.

Wir freuen uns, wenn Ihnen die Frage-Antwort-Arbeiten helfen bei der Bewältigung der täglich an Sie gestellten komplexen Anforderungen.