Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1186-0075
Originalarbeit

Männer in geschlossenen Venerologischen Stationen der DDR am Beispiel von Berlin, Dresden und Erfurt

Men in Closed Venerological Wards of the GDR illustrated by Examples of Berlin, Dresden and Erfurt
1  Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Universität Ulm, Ulm
,
Florian Steger
1  Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Universität Ulm, Ulm
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Zusammenfassung

Ziel In der DDR konnten auch Männer in geschlossene Venerologische Stationen zwangseingewiesen werden. Während zum Umgang mit Frauen in geschlossenen Venerologischen Stationen zahlreiche Forschungsergebnisse vorliegen, ist über den Umgang mit Männern in diesen Stationen kaum etwas bekannt.

Methoden Es wurden ungedruckte Quellen im Bundesarchiv und Landesarchiv Berlin und in den Stadtarchiven von Erfurt und Zwickau recherchiert und historisch-kritisch ausgewertet. Zudem wurden in Datenbanken gedruckte Quellen recherchiert und ausgewertet.

Ergebnisse In der DDR wurden Männer in geschlossene Venerologische Stationen zwangseingewiesen. Diese Stationen waren Teil von geschlossenen Venerologischen Einrichtungen, zu denen jeweils auch eine Station für Frauen gehörte. Die Männer wurden getrennt von den Frauen untergebracht. Die Anzahl der Betten und durchgeführten Zwangseinweisungen war in den Stationen für Männer erheblich geringer als in Stationen für Frauen. Gründe für Einweisungen von Männern waren zu behandelnde Geschlechtskrankheiten, HwG-Verdacht und Disziplinarmaßnahmen. Die medizinische Versorgung der Männer entsprach dem zeitgenössischen medizinischen Standard.

Schlussfolgerung Die Anzahl der Betten und der Zwangseinweisungen war auf den Stationen für Männer deutlich geringer als auf den Stationen für Frauen. Die Männer wurden überwiegend zwangseingewiesen, weil sie eine Geschlechtskrankheit hatten oder als HwG-Person galten, während mehr als 50 % der Frauen wegen Herumtreiberei eingewiesen wurden. Darüber hinaus galten Männer als zuverlässige Patienten in der medizinischen Versorgung, während Frauen als säumig und unzuverlässig angesehen wurden. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Situation der Männer grundlegend von der der Frauen.

Abstract

Objectives While numerous research results are available on the treatment of women in closed venereological wards in the GDR, hardly anything is known about the forced admissions of men to these wards. The aim of this study was to analyse construction of the wards, the admission and maintenance in the wards as well as the extent of the compulsory admissions of men.

Methods Unprinted sources were researched in the Federal Archive and State Archive Berlin and in the municipal archives of Erfurt and Zwickau and analyzed using a historically critical method. In addition, printed sources found in databases were researched and evaluated.

Results In the GDR, the closed venereological wards for men were part of closed venereological facilities, each of which included a ward for women. Men and women were accommodated separately. Reasons for the admission of men were sexually transmitted diseases to be treated, suspicion of frequently changing sexual partners (HwG-Verdacht) and disciplinary measures. The medical care of the men corresponded to the contemporary medical standard. Only a few men were committed.

Conclusions The number of beds and compulsory admissions was considerably lower in the wards for men than in those for women. The men were compulsory committed due to having a venereal disease or due to being a sexually promiscuous individual (HwG-Person), while more than 50% of women were committed because of drifting. In addition, men were regarded as reliable subjects in medical care, while women were regarded as defaulting and unreliable. In this respect, the situation of men differs fundamentally from that of women.



Publication History

Publication Date:
01 July 2020 (online)

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