Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-1152-4800
Originalarbeit

Hygienisch-mikrobiologische Evaluation von Tuchspendersystemen zur Oberflächendesinfektion im alltäglichen Klinikbetrieb

Hygienic-Microbiological Evaluation of Tissue Dispensing Systems for Surface Disinfection in Hospitals
Philipp Blume
1  Institut für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
,
Iris Chaberny
1  Institut für Hygiene, Krankenhaushygiene und Umweltmedizin, Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
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Zusammenfassung

Hintergrund Oberflächendesinfektion zählt zu den elementaren Maßnahmen der Infektionsprävention in Gesundheitseinrichtungen. Die hierfür heutzutage weit verbreiteten Tuchspendersysteme können jedoch aufgrund unterschiedlicher Ursachen mikrobiell kontaminiert sein und bei der Verbreitung von Krankheitserregern eine entscheidende Rolle spielen. Aus diesem Grund müssen diese Systeme sowohl in die routinemäßige Surveillance, als auch im Rahmen nosokomialer Ausbrüche als Infektionsquelle in Betracht gezogen werden.

Methodik Die am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) verwendeten Tuchspendersysteme wurden von 2016 bis 2018 flächendeckend gemäß der Empfehlung des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH) überprüft. Innerhalb dieses Zeitraums wurden insgesamt 1096 Desinfektionslösungen von Tuchspendersystemen analysiert. Die Bereiche ohne bzw. mit besonderem Infektionsrisiko waren hierbei gleichverteilt repräsentiert. Um die Möglichkeit einer Kontamination durch Dosiergeräte (DG) auszuschließen, wurden die hygienischen Prüfungen auf die 135 dezentral-betriebenen DGs am UKL erweitert.

Ergebnisse Grundsätzlich konnte ein Rückgang von kontaminierten Desinfektionslösungen im gesamten Untersuchungszeitraum verzeichnet werden (2016: 31%; 2017: 18%; 2018: 8%). Jedoch wurden sowohl 2017, als auch 2018 mehr Kontaminationen in Bereichen mit besonderem Infektionsrisiko festgestellt. Gezielte Nachuntersuchungen nach Schulungsmaßnahmen im Umgang und Aufbereitung der Systeme ergaben einen Rückgang positiver Desinfektionslösungen auf Stationen mit erhöhten Nachweisen. Das mikrobielle Spektrum wurde von Achromobacter spp. (81%) dominiert, gefolgt von Pseudomonas spp. (10%), Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) (4%) und apathogenen Umwelterregern (5%). Die aus den Dosiergeräten (n=135) entnommenen Lösungen zeigten in 91,1% keinerlei Wachstum. In 8,2% wurden Bacillus spp. und in 0,7% Schimmelpilze nachgewiesen.

Schlussfolgerung Als Ursache für die Erregernachweise in Tuchspendersystemen konnte eine Kontamination aus Dosiergeräten, als auch des hierfür verwendeten Trinkwassers ausgeschlossen werden. Es ist davon auszugehen, dass mangelnde Kenntnisse und ein falsches Sicherheitsgefühl beim Umgang mit Desinfektionsmitteln zu inkorrekter Handhabung von Tuchspendersystemen führen.

Abstract

Background Surface disinfection is one of the elementary measures of infection prevention in healthcare facilities. However, the current widely used tissue dispenser systems can be microbially contaminated as a result of various causes and play a decisive role in the spread of pathogens. For this reason, these systems must be considered both as a source of infection in routine surveillance and as part of nosocomial outbreaks.

Methods Tissue dispenser systems used at the University Hospital Leipzig (UKL) were extensively analyzed between 2016 and 2018 in accordance with the recommendations of the German Association for Applied Hygiene (VAH). Within this period, 1096 disinfectant solutions from dispenser systems were tested. Areas without or with infection risk were represented with equal distribution. To exclude the possibility of contamination by dosing units (DU), the microbial-hygienic tests were extended to the 135 decentralized DU at the UKL.

Results Overall, a decline in contaminated disinfectant solutions was recorded over the study period (31% in 2016, 18% in 2017 and 8% in 2018). However, in 2017 as well as in 2018, more contaminants were recorded in high-risk areas. Specific follow-up examinations after training in handling and preparation of the systems resulted in a decrease of contaminated disinfection solutions at hospitals. The dominant microbial contamination was with Achromobacter spp. (81%), followed by Pseudomonas spp. (10%), vancomycin-resistant enterococci (VRE) (4%) and apathogenic environmental microorganisms (5%). The solutions taken from the dosing units (n=135) did not show any growth (91.1%). Bacillus spp. were detected in 8.2% and molds in 0.7% of solutions.

Conclusion Contaminated dosing units as well as drinking water used for this purpose could be excluded as source of the pathogens detected in tissue dispenser systems. It is assumed that a lack of knowledge and a false sense of security led to incorrect handling of tissue dispenser systems when dealing with disinfectants.



Publication History

Publication Date:
05 June 2020 (online)

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