Nervenheilkunde 2020; 39(01/02): 31-39
DOI: 10.1055/a-1037-2271
Schwerpunkt
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Darmmikrobiom bei primären Hirntumoren

Datenlage und Hypothesen
Tareq M. Anssar
1  Wilhelm Sander-Therapieeinheit NeuroOnkologie und Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Regensburg
,
Peter Hau
1  Wilhelm Sander-Therapieeinheit NeuroOnkologie und Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universität Regensburg
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

Publication Date:
12 February 2020 (online)

ZUSAMMENFASSUNG

Primäre Hirntumoren kommen weniger häufig vor als andere Tumorentitäten. Das Glioblastom ist der häufigste primäre Hirntumor bei Erwachsenen und hat eine sehr schlechte Prognose. Die Pathophysiologie vieler Hirntumoren ist nur unzureichend verstanden. Eine kurative Therapie existiert bis auf wenige Ausnahmen nicht. Bei einigen soliden und hämatologischen Tumoren konnte in den letzten Jahren ein Zusammenhang zwischen Tumorentstehung und -progression mit Veränderungen im intestinalen Mikrobiom festgestellt werden. Zusammenhänge zwischen Mikrobiota und primären Hirntumoren wurden hingegen nicht publiziert.

In der vorliegenden Arbeit werden Mechanismen dargestellt, die bei einer möglichen Interaktion zwischen Mikrobiom und Hirntumoren eine Rolle spielen können. Dabei steht die Schranke vom Darmepithel zum peripheren Blut und vom peripheren Blut zum Gehirn im Mittelpunkt des Interesses. Im Hinblick auf die Darm-Blutschranke sind Interaktionen zwischen Mikrobiom und Immunphänotyp sowie Metaboliten im peripheren Blut bekannt. Im Hinblick auf die Blut-Hirnschranke bestehen mögliche Assoziationen des Immunphänotyps und der Metaboliten im peripheren Blut mit der Immuninfiltration im Gehirn und der Induktion pathogeneserelevanter Signalkaskaden.

ABSTRACT

Primary brain tumours have a low incidence in comparison to other tumours. Glioblastoma is the most common primary brain tumour and has a poor prognosis. The underlying pathophysiology of many brain tumours is only poorly understood. With some exceptions, there is no curative therapy. In the past years, several associations between tumour development and progression of various solid and haematological tumour entities and alterations of the intestinal microbiome have been identified. However, so far there are no publications describing a relation between microbiota and primary brain tumours.

In this review, we describe important mechanisms that are supposed to play a role in a possible interaction between microbiota and brain tumours. We focus on the barriers between gut and peripheral blood and between peripheral blood and brain. With regard to the barrier between gut and peripheral blood, interactions of the intestinal microbiome with the immune phenotype and metabolites in the blood have been described. With regard to the blood-brain-barrier, we discuss possible relations between the peripheral immune phenotype or metabolites in the blood and the immune infiltration in the brain as well as the induction of tumorigenic signaling pathways.