Gastroenterologie up2date 2020; 16(01): 43-59
DOI: 10.1055/a-1011-4940
Ösophagus/Magen/Duodenum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gastroösophageale Varizen – Update 2020 zu Prophylaxe und Therapie

Martin Raithel
,
Andrea Anneken
,
Johanna Koopmann
Weitere Informationen

Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
10. März 2020 (online)

50 – 60% aller gastrointestinalen Blutungen (GIB) sind im oberen Gastrointestinaltrakt (GIT) lokalisiert. Sie werden in nicht variköse (z. B. Ulkusblutung), variköse (Ösophagus- und Magenvarizen) und tumoröse Blutungen eingeteilt. Die varikösen Blutungen und Blutungen bei portaler Hypertension stellen lebensgefährliche Ereignisse dar. Dieser Beitrag gibt ein Update zu Pathophysiologie, Therapie und Prognose gastroösophagealer Varizen.

Kernaussagen
  • Variköse Gefäße in der Speiseröhre, im Magen oder an anderer ektoper Lokalisation im GIT stellen Kollateralgefäße des portolienalen Kreislaufs zum V.-cava-Blutkreislauf dar. Sie entwickeln sich bei einem erhöhten Portaldruck > 10 mmHg (gemessen als Lebervenenverschlussdruck).

  • Gastroösophageale Varizen (GOV) werden nach Größe, Lokalisation, Blutungszeichen und Topografie klassifiziert.

  • Bei ca. 30 – 40% der Patienten mit kompensierter Leberzirrhose ist mit der Entwicklung von GOV zu rechnen. Bei dekompensierter Leberzirrhose ist dies bei 40 – 85% der Fall. Ca. 30 – 35% aller Patienten mit Leberzirrhose erleiden eine Varizenblutung, die ein Mortalitätsrisiko von 15 – 20% beinhaltet.

  • Die Primärprophylaxe einer gastroösophagealen Varizenblutung (VB) sollte heute mit einem nichtselektiven Betablocker (NSBB) oder Carvedilol erfolgen. In individuellen Fällen ist auch eine primärprophylaktische endoskopische Varizenligatur bei Ösophagusvarizen möglich.

  • Bei der akuten VB sind die frühzeitige Gabe von vasoaktiven Substanzen (Terlipressin, Somatostatin/-Analoga), von Antibiotika mit Wirkspektrum im gramnegativen Bereich und die endoskopische Blutstillung angezeigt.

  • Die endoskopische Blutstillungsmaßnahme der Wahl bei akuter Ösophagusvarizenblutung ist die Varizenligatur, bei akuter gastrischer Varizenblutung die Histoacryl-Injektion.

  • Bei persistierender oder refraktärer Blutung ist frühzeitig an die Anlage eines TIPS zu denken. Bei Kontraindikationen sind andere interventionelle Verfahren zu erwägen.

  • Die Sekundärprophylaxe nach einer ösophagealen VB wird mit NSBB und der endoskopischen Varizenligatur bis zur Varizeneradikation durchgeführt. Bei gastrischen Varizen erfolgt nur eine portale Drucksenkung mit NSBB, bei Unverträglichkeit mit Carvedilol.