Klin Monbl Augenheilkd
DOI: 10.1055/a-0988-4428
CME-Fortbildung
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vitreomakuläre Interface-Erkrankungen

Vitreomacular Interface Diseases: Vitreomacular Adhesion, Vitreomacular Traction, Epiretinal Membranes, and Macular Hole
Claudia Jandeck
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Publication Date:
15 August 2019 (online)

Zusammenfassung

Veränderungen im Glaskörper mit Schwächung der vitreoretinalen Adhäsion und Verflüssigung des Glaskörpers führen im Normalfall zu einer Abhebung der Glaskörpergrenzmembran von der Membrana limitans interna. Geschieht dies nicht simultan und komplett oder mit vorheriger Bildung prämakulärer Verdichtungen, können je nach Aufspaltung der hinteren Glaskörpergrenzmembran bzw. bei nur partieller Abhebung verschiedene Veränderungen entstehen, wie eine vitreomakuläre Traktion, eine epiretinale Membran oder ein Makulaforamen.

Abstract

Posterior vitreous detachment (PVD) is a common phenomenon in the aging eye. This review presents the sequence of events due to complicated persistent symptomatic vitreomacular adhesions that exert tractional forces on the macula (vitreomacular traction, VMT; macular hole, MH; epiretinal membrane). Pathologic aspects, clinical features, diagnostic implications, and current management strategies are described. Observation, pharmacologic vitreolysis with Ocriplasmin, and surgical treatment are positioned as treatment options for different diseases.

Kernaussagen
  • Es gibt für die Behandlung der vitreomakulären Traktionen, Macular Pucker und Makulaforamen keine publizierten Leitlinien.

  • Vitreomakuläre Traktion:

    • Bei einer VMT kann 2 – 3 Monate abgewartet werden, ob eine spontane Ablösung eintritt. Jedoch ist dieses Vorgehen abhängig von dem Visus und den subjektiven Beschwerden des jeweiligen Patienten und dessen Einschätzung für seine Lebensqualität.

    • Wenn nach dieser Zeit keine Veränderung eingetreten ist oder bereits vorher eine Progression auftritt, kann bei nur minimaler Traktion und ohne zusätzliche epiretinale Membran der Versuch mit Ocriplasmin mit dem Patienten diskutiert werden.

    • Falls jedoch eine epiretinale Membran vorliegt, ist eine chirurgische Therapie zu erwägen.

  • Makulaforamen:

    • Ein Makulaforamen sollte, besonders bei subjektiven Beschwerden und Visusminderung, frühzeitig behandelt werden.

    • Ocriplasmin kann als Therapieversuch bei kleinen Makulaforamina < 250 µm und abhängig vom Alter, dem Linsenstatus und der OP-Fähigkeit des Patienten erwogen werden. Sollte sich jedoch das Makulaforamen nicht innerhalb eines Monats nach der Behandlung verschließen, ist eine chirurgische Therapie indiziert.

    • Wenn bereits bei der Erstuntersuchung ein Makulaforamen > 250 µm vorliegt, ist eine primäre Vitrektomie mit ILM-Peeling (ILM = Membrana limitans interna) sinnvoll.

    • Bei sehr großen Makulaforamina kann zusätzlich ein ILM-Flap erwogen werden.

    • Intraoperativ sollte so wenig wie möglich an Farbstoff zur Anfärbung der ILM verwendet werden. Eine gleichzeitige Kataraktoperation ist bei älteren Patienten sinnvoll.

  • Epiretinale Membran:

    • Eine epiretinale Membran sollte, besonders bei subjektiven Beschwerden und Visusminderung, ebenfalls frühzeitig behandelt werden und erfordert eine Vitrektomie mit einem vergleichbaren Vorgehen wie bei einem Makulaforamen.