Aktuelle Ernährungsmedizin 2020; 45(01): 16-24
DOI: 10.1055/a-0942-9070
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Veränderungen des Ernährungsstatus geriatrischer PatientInnen während der stationären Krankenhausbehandlung

Changes in Nutritional Status of Geriatric Patients During Hospital Treatment
Fabian Graeb
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit Gesundheit und Pflege, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften
,
Renate Wientjens
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit Gesundheit und Pflege, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften
,
Reinhold Wolke
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit Gesundheit und Pflege, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften
,
Gundula Essig
Hochschule Esslingen, Fakultät Soziale Arbeit Gesundheit und Pflege, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften
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Publication Date:
19 February 2020 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Im vom BMBF finanzierten Forschungsprojekt „Entwicklung, Umsetzung und Evaluation eines Konzepts zur Prävention und Behandlung von Mangelernährung bei geriatrischen Patienten im Krankenhaus“ sollen interdisziplinäre Praxiskonzepte mithilfe eines Vorher-Nachher-Designs evaluiert werden.

Material und Methodik Ziel dieser Arbeit ist eine erste Analyse von Veränderungen des Ernährungsstatus von PflegeheimbewohnerInnen mit mindestens 3-tägige stationären Krankenhausaufenthalt vor Konzeptentwicklung. Hierfür wurden Routinedaten von 2 großen Altenhilfeträgern herangezogen und insgesamt 1899 Fälle eingeschlossen.

Ergebnisse 38 % (n = 721) der Fälle sind bereits bei Aufnahme mangelernährt, nach Klinikaufenthalt 48,6 % (n = 784). Der mittlere BMI sinkt von 25,0 kg/m2 (SD ± 5,3) auf 24,5 kg/m2 (SD ± 5,1), wobei 19,3 % (n = 276) zwischen 5 % und 10 % ihres Körpergewichts verlieren und 9,4 % (n = 134) ≥ 10 %. PatientInnen mit Mangelernährung weisen bei Entlassung eine um 3,09 Tage längere Verweildauer auf (p < 0,001). Eine Mangelernährung bei Einweisung ist mit einem signifikant höheren Pflegegrad (Differenz = 0,18; p = 0,002), einer höheren Anzahl an Stürzen (Differenz = 0,45; p < 0,001) sowie einem häufigeren Versterben in der Klinik (p < 0,001; r = 0,120) und den nachfolgenden 6 Monate (p < 0,001; r = 0,200) assoziiert. Ein geringeres Risiko für eine Mangelernährung bei Entlassung ist assoziiert mit dem männlichen Geschlecht (OR = 0,671; p = 0,003), einem höheren BMI vor dem Klinikaufenthalt (OR = 0,887; p < 0,001), der Einweisungsdiagnosegruppe psychische und Verhaltensstörungen (OR = 0,306; p = 0,008) und Erkrankungen der Schilddrüse in den Nebendiagnosen (OR = 0,707; p = 0,02). Ein längerer Klinikaufenthalt (OR = 1,067; p < 0,001) geht dagegen mit einem höheren Risiko für eine Mangelernährung einher.

Schlussfolgerung Ein akut-stationärer Aufenthalt zeigt signifikante Auswirkungen auf den Ernährungsstatus. Aufgrund der Zusammenhänge von Mangelernährung und steigender Mortalität ist es notwendig, das klinische Ernährungsmanagement mithilfe von Praxiskonzepten zu optimieren.

Abstract

Background In the BMBF-funded research project „Development, Implementation and Evaluation of a Program for the Prevention and Treatment of Malnutrition for Geriatric Patients in Hospital“ interdisciplinary programs are evaluated using a before-and-after design.

Materials and methods The aim of this study is to provide an initial analysis of changes in nutritional status of nursing home residents, who had been hospitalized for at least 3 days. Routine data from two large nursing homes were used, a total of 1.899 cases were included.

Results 38 % (n = 721) are already malnourished on admission, 48.6 % after hospitalization (n = 784). The mean BMI decreases from 25.0 kg/m2 (SD±5.3) to 24.5 kg/m2 (SD ± 5.1), 19.3 % (n = 276) lose between 5 % and 10 % of their body weight and 9.4 % (n = 134) ≥ 10 %. Patients with malnutrition remain 3.09 days longer in hospital (p < 0.001). Malnutrition on admission is associated with a significantly higher level of nursing care (difference = 0.18, p = 0.002), number of falls (difference = 0.45, p < 0.001), higher mortality rate in hospital (p < 0.001, r = 0.120) and within the following 6 months (p < 0.001, r = 0.200). A lower risk of malnutrition on discharge is associated with males (OR = 0.671, p = 0.003), a higher BMI prior to hospitalization (OR = 0.887, p < 0.001), Mental Health and Behavioral Disorders (OR = 0.306; p = 0.008) and thyroid disorders (OR = 0.707, p = 0.02). A prolonged hospital stay (OR = 1.067, p < 0.001) is associated with a higher risk of malnutrition.

Conclusions An acute inpatient stay has significant effects on nutritional status. Due to the link between malnutrition and increased mortality, it is necessary to optimize clinical nutrition management with the aid of programs for nutritional care.