Klin Monbl Augenheilkd 2020; 237(03): 304-309
DOI: 10.1055/a-0867-9946
Klinische Studie
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Erwartungen an das Aufklärungsgespräch aus Patientensicht – strukturierte Befragung von 100 Patienten einer ophthalmologischen Universitätsambulanz

The Importance of the Preoperative Information from a Patientʼs Perspective – a Structured Interview of 100 Ophthalmological University-Based Outpatients
Christian Enders
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm, Ulm
,
Joanna Ryszka
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm, Ulm
,
Gabriele E. Lang
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm, Ulm
,
Reinhard Strametz
2  Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain, Wiesbaden
,
Gerhard K. Lang
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm, Ulm
,
Jens Ulrich Werner
1  Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Ulm, Ulm
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

eingereicht 24 January 2019

akzeptiert 24 February 2019

Publication Date:
30 July 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Das Krankheitsverständnis der Patienten sowie deren Erwartungen an das Aufklärungsgespräch und den Therapieerfolg entsprechen nicht immer den ärztlichen Zielsetzungen und Einschätzungen. Umso wichtiger ist es, dass man im Aufklärungsgespräch gezielt auf Erwartungen und Wissenslücken der Patienten eingehen kann, insbesondere wenn es um den therapeutischen Erfolg geht. Das Ziel dieser Arbeit ist die Erhebung des krankheitsbezogenen Wissensstands und die Evaluierung der Erwartungen von Patienten in ophthalmologischer Behandlung.

Methode Mittels überwiegend geschlossener Fragen wurden in einer ophthalmologischen Ambulanz einer Universitätsklinik konsekutiv 100 Patienten anonym und strukturiert befragt. Die Antwortmöglichkeiten wurden überwiegend als Einzelauswahl auf einer Ratingskala vorgegeben.

Ergebnis 55% der Patienten hatten im Vorfeld einen ophthalmologischen Eingriff erlebt, 36% mindestens 2 ophthalmologische Eingriffe. Mehr als die Hälfte der Patienten hatte sich nicht näher mit dem bevorstehenden Eingriff beschäftigt (52%). Am meisten hatten die Patienten Angst vor Komplikationen (59%), am wenigsten vor der Betäubung (29%). Am wichtigsten war den Patienten eine Aufklärung über Komplikationen und sie wünschten sich am meisten Informationen über die Auswirkungen des Eingriffs auf den Alltag.

Schlussfolgerung Etwa die Hälfte der Patienten hatte sich im Vorfeld des Aufklärungsgesprächs nicht mit dem erforderlichen operativen Eingriff beschäftigt. Eine verständliche Aufklärung hinsichtlich der Erfolgsraten und der möglichen postoperativen Beeinträchtigungen sowie die Bereitstellung von übersichtlichem Aufklärungsmaterial erscheinen maßgeblich. So könnten über die Klinikhomepage Patienten im Vorfeld eines operativen Eingriffs allgemeine Informationen angeboten werden. Neue Medien scheinen für Patienten in diesem Zusammenhang bisher allerdings noch eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Abstract

Background The patientʼs knowledge about their illness, as well as their expectations regarding pre-intervention, consultation and treatment, may differ from the physicianʼs assumptions. Therefore, it is of great importance that the physician can identify misconceptions and missing knowledge and to focus on those points in the preoperative consultation, as well as meeting patient expectations as to the consultation itself. The aim of this study was to identify such expectations and the knowledge gaps of patients scheduled for ophthalmologic treatment.

Method An anonymous questionnaire containing predominantly closed questions was handed out to 100 patients in an ophthalmological outpatient clinic of a tertiary care center. Answers were mostly single choice items on a rating scale.

Results 55% of patients had received ophthalmological interventions prior to receiving the questionnaire; 36% received more than two. More than half had not informed themselves about the planned procedure prior to their appointment. They were worried the most about complications (59%) and least about the anaesthesia (29%). When asked, patients attributed the highest priority to provision of information regarding complications and most often requested information on implications of the planned surgery on daily activities.

Conclusion Roughly half of the patients came without having informed themselves prior to the consultation. A comprehensive explanation with regard to success rates and possible post-surgical impairments appears to be essential. Possibilities of new media, such as the internet, surprisingly do not seem to be of importance to patients in this context.