Tierarztl Prax Ausg G 2019; 47(02): 125-130
DOI: 10.1055/a-0862-5781
Kasuistik
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Futterverweigerung bei Mastbullen durch eine Kontamination der Maissilage mit Gewöhnlichem Stechapfel (Datura stramonium)

Feed refusal in fattening bulls because of maize silage contamination by Jimson weed (Datura stramonium)
Sabine Aboling*
1  Institut für Tierernährung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
Hanna Rieger*
1  Institut für Tierernährung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
Mareike Kölln
1  Institut für Tierernährung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
,
Jörg Tenhündfeld
2  Vetland® Dr. Tenhündfeld & Kollegen, Vreden
,
Gerwin Roerink
2  Vetland® Dr. Tenhündfeld & Kollegen, Vreden
,
Nadine Platje
2  Vetland® Dr. Tenhündfeld & Kollegen, Vreden
,
Josef Kamphues
1  Institut für Tierernährung, Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
› Author Affiliations
Further Information

Publication History

13 June 2018

21 September 2018

Publication Date:
18 April 2019 (online)

Zusammenfassung

Im Dezember 2017 kam es in einem Bullenmastbetrieb mit Fresseraufzucht in Westdeutschland innerhalb eines Tages plötzlich zu einem Rückgang der Futteraufnahme bei ansonsten zunächst ungestörtem Allgemeinbefinden der Tiere. Die reduzierte Futteraufnahme war am darauffolgenden Tag noch ausgeprägter; zudem zeigten einige Tiere eine Pansentympanie mit dorsaler Gasblase, die eine Behandlung erforderte. Als mögliche Ursache kam die Maissilage infrage, die seit dem Tag der reduzierten Futteraufnahme aus einem anderen Silobereich entnommen wurde als zuvor. Diese Maissilage-Partie stammte von einer Ackerfläche, auf der in einem gewässernahen Teilbereich übliche Pflanzenschutzmaßnahmen nicht erfolgt waren und die zudem stark von Windschäden betroffen war (viele abgeknickte Maispflanzen). Nur auf diesem Areal wuchs Gewöhnlicher Stechapfel, dessen Früchte und Samen in den inkriminierten Maissilageproben nachgewiesen wurden. Nach einem Austausch der Maissilage gegen nicht kontaminiertes Material und einer Behandlung der von einer Tympanie betroffenen Tiere mit einem Antitympanikum sowie einem Lebendhefe-Präparat erholten sich die Bullen innerhalb von 6 Tagen. Ursächlich für diese auffällige Symptomatik waren vermutlich die antinutritiven Inhaltsstoffe von Datura stramonium, die nachgewiesenermaßen die Magen-Darm-Motorik beeinträchtigen können.

Abstract

A sudden decrease in feed intake (within 24 hours) without an impaired general condition occurred on a bull-rearing and -fattening farm in western Germany in December 2017. One day later, some of the bulls displayed signs of ruminal tympany (free gas bloat) and the reduction in feed intake became more severe. The maize silage was recognized as the cause of the observed symptoms, because clinical signs first appeared after taking the silage from a different localization within the bunker silo. Maize in this particular section was harvested from a separate area previously affected by wind damage (numerous bent maize plants), where no crop protection (herbicide application) was performed. Fruits and seeds of Jimson weed were identified in the incriminated maize silage samples. Following replacement of the contaminated parts of the maize silage with non-contaminated material and treatment of the clinically affected animals (anti-tympanic medication plus live yeast preparation), the feed intake returned to the normal level and the affected animals recovered within 6 days. The cause of the symptoms was probably the anti-nutritive properties of Datura stramonium that affect the motor function of the gastrointestinal tract.

* Geteilte Erstautorenschaft