Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0832-2220
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Studiendesigns zur Wirkungsevaluation in Prävention und Gesundheitsförderung – Die Bedeutung interner und externer Validität für die Evidenzbasierung in Lebenswelten

Study Designs for Effect Evaluation in Disease Prevention and Health Promotion – Meaning of Internal and External Validity in Intervention Studies
Wolfgang Bödeker
1  EPICURUS, Wirkungsanalysen, Essen
,
Susanne Moebus
2  Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Zentrum für Urbane Epidemiologie, Universitätsklinikum Essen, Essen
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Publication Date:
11 April 2019 (online)

Zusammenfassung

Hintergrund Die Gesundheitsförderung und Prävention in Deutschland haben aufgrund des Präventionsgesetzes an Bedeutung gewonnen. Durch das Gesetz erfahren die sogenannten Lebenswelten (settings) eine besondere Beachtung. Bislang gibt es allerdings weder ein einheitliches Verständnis über diesen Ansatz, noch sind dessen Potenziale empirisch hergeleitet. Es bedarf daher einer Auseinandersetzung mit geeigneten Evaluations- und Studienkonzepten.

Ziele und Methoden Ziele dieser Arbeit sind, die Bedeutung der internen und externen Validität von Interventionsstudien in Gesundheitsförderung und Prävention zu untersuchen. Wir geben einen Überblick zu verschiedenen Studiendesigns im Hinblick auf die erreichbare Verzerrungskontrolle und stellen Anwendungsbeispiele für die Evaluation von Setting-Projekten vor.

Ergebnisse Lebenswelt bezogene Interventionen sind oft durch eine Vielzahl von Maßnahmen, Akteuren und Interventionskontexten gekennzeichnet. Der Evidenz basierten Medizin entliehene Analysemethoden werden in Deutschland für die Gesundheitsförderung kritisch gesehen. Solche Studien würden zwar eine hohe interne Validität aufweisen, die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf „die Wirklichkeit“ sei aber gering. Dagegen ist die Übertragbarkeit von Studienergebnissen für Setting-Projekte keine größere Herausforderung als für andere Forschungsfelder. Sie ist nicht durch unterschiedliche Kontexte, sondern durch unterschiedliche Wirkungsbeziehungen begrenzt. Durch einen Wirkungsnachweis soll ein beobachteter Effekt kausal auf eine Intervention zurückgeführt werden. Die erkenntnistheoretischen Anforderungen unterscheiden sich hierbei nicht zwischen Studien, die auf interne oder externe Validität angelegt sind. Die internationale Diskussion fokussiert auf die Weiterentwicklung (quasi)-experimenteller Studiendesigns. Anwendungsbeispiele für Setting-Projekte vorwiegend aus Deutschland verdeutlichen, dass diese Verfahren vereinzelt bereits in der Evaluationspraxis angewendet werden.

Schlussfolgerung Eine Herausforderung für die Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten besteht darin, die heterogene Evidenzbasis systematisch zu erfassen. Derzeit liegt eine Vielzahl von Erkenntnissen in einer Vielzahl von Interventionsfeldern vor. Diese Erkenntnisse müssen zusammengestellt und dahingehend analysiert werden, ob und im welchem Umfang weitere Evaluationen mit welchen Methoden zu initiieren sind.

Abstract

Background Health promotion and disease prevention in Germany have become more important as a result of the Prevention Act that gives special attention to the setting. So far, however, there is neither a common understanding of the terms of this approach, nor are its potentials empirically derived. Therefore, a discussion about suitable evaluation and study concepts is required.

Aims and methods The aims of this study were to address the meaning of internal and external validity of intervention studies in health promotion and disease prevention. We provide an overview of the achievable bias control for different study designs and provide examples for the evaluation of setting-based approaches.

Results Interventions in settings are often characterized by a multitude of measures, actors and intervention contexts. Methods of analysis from evidence-based medicine are viewed critically for health promotion and disease prevention in Germany. Such studies are considered to provide a high degree of internal validity, but the extrapolation of the results to “reality” is viewed as low. In contrast, the extrapolation of study results is not more of a challenge for setting projects than for any other research area. It is not limited by different contexts, but rather by different causal relationships. Impact assessment aims at causally attributing an observed outcome to the intervention. Thus, the epistemological requirements do not differ between studies that are designed for internal or external validity. The international discussion focuses on the refinement of (quasi)-experimental study designs. Examples for the evaluation of setting projects, mainly from Germany, illustrate that those alternative methods have already been used in evaluation practice.

Conclusion A challenge for health promotion and disease prevention in settings is to systematically assess the different needs for evidence-basing. At present, there is a wealth of findings in a large number of intervention fields. These findings must be compiled and analyzed to determine whether and to what extent further evaluations need to be initiated and by which methods.