Gesundheitswesen
DOI: 10.1055/a-0795-3511
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Gesundheitszustand, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Einstellung zur Rückkehr ins Erwerbsleben bei zeitlich befristeten Erwerbsminderungsrentnern

Health Condition, Health Care Utilisation and Attitude Towards Return to Work in Individuals Receiving Temporary Disability Pension
Juliane Briest
1  Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Rehabilitationsmedizin, Hannover
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Publication Date:
19 December 2018 (online)

Zusammenfassung

Ziel der Studie Ziel der Studie war eine träger- und diagnosenübergreifende, repräsentative Erhebung zu soziodemografischen Aspekten, Gesundheitszustand, Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Einstellung zur Rückkehr ins Erwerbsleben (RTW) bei aufgrund einer Erwerbsminderung (EM) berenteten Versicherten.

Methodik 15.110 erstmalig und unabhängig vom Arbeitsmarkt befristete EM-Rentner im Alter von 30 bis 60 Jahre wurden zum Ende ihres ersten Bewilligungszeitraums schriftlich befragt. Diese Daten wurden durch Routinedaten der Rentenversicherungen ergänzt. Deskriptive Auswertungen erfolgten getrennt für die 4 häufigsten Berentungsdiagnosen (Psychische Störungen, Neubildungen, muskuloskelettale Erkrankungen, Krankheiten des Kreislaufsystems). Mögliche Gruppenunterschiede wurden mittels einfaktorieller Varianzanalyse bzw. Chi-Quadrat-Test geprüft.

Ergebnisse 3 380 Befragte wurden in die Analysen eingeschlossen. Auch am Ende ihres ersten Bewilligungszeitraums zeigten sich diese Versicherten gesundheitlich stark eingeschränkt. Während des Rentenbezugs erhielten 36,8% der Rentner mit einer psychischen Störung eine medizinische Rehaleistung, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben wurden am ehesten Versicherten mit einer muskuloskelettalen Erkrankung gewährt (8,1%). Knapp ein Drittel der Befragten äußerte den Wunsch für ein RTW, die eigene Arbeitsfähigkeit sowie die Möglichkeit einen Arbeitsplatz zu finden, wurden jedoch eher pessimistisch gewertet. EM-Rentner mit Neubildungen zeigten hinsichtlich verschiedener gesundheitsrelevanter Aspekte sowie der Bewertung des RTW günstigere Werte als die Vergleichsgruppen.

Schlussfolgerung Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das mit der Befristung der EM-Rente verknüpfte Ziel der Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit nur unzureichend realisiert wird. Aufgrund der vielschichtigen und individuellen Problematiken bedarf es der Ausgestaltung neuer Angebote unter Einbeziehung der verschiedenen Akteure der Sozial- und Gesundheitssysteme.

Abstract

A total of 15,110 TDP, aged 30–60 years, who received a pension for the first time and independently of labour market, were sent a questionnaire at the end of their first period of approval. Questionnaire-based data were supplemented with routine information from the databases of pension insurances. Descriptive statistics were done separately for the 4 main diagnoses (mental illness, neoplasms, musculoskeletal diseases, diseases of circulatory system). Testing for group differences was performed by ANOVA or chi-square test.

Results A total of 3,880 participants were included in the analyses. At the end of their first period of approval, these TDP still reported overall impaired health. While receiving pension, 36.8% of TDP with mental illness received medical rehabilitation. Employment participation benefits were granted more often to pensioners with musculoskeletal diseases (8.1%). About one-third of the participants would like to RTW. The individual work capacity and possibility of finding a matching job were rated more pessimistically. TDP with neoplasms tended to report better health condition and attitude towards RTW than the other diagnosis groups.

Conclusion The results show that the goal of restoring earning capacity is insufficiently realized by limiting pension duration. In the context of the complexity of health problems faced by individuals, new concepts in intervention are needed taking into account the different stakeholders involved in the social and health care system.