Krankenhaushygiene up2date 2026; 21(01): 10-11
DOI: 10.1055/a-2803-4132
Studienreferate

Kommentar zu „Mikrobiomveränderungen beim Wechsel von Abwasserleitungen: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Klempner?“

Authors

    Contributor(s):
  • Sebastian Schulz-Stübner

10.1055/a-2803-4117

Wie aus der Alpha- und Beta-Diversität der mikrobiellen Gemeinschaften alter und neuer Waschbecken in dieser Studie hervorgeht, war die Veränderung des Mikrobiomprofils nicht signifikant. Dies steht im Gegensatz zu der Veränderung der Mikrobiomdiversität, die bei der Desinfektion von Oberflächen in Krankenhäusern beobachtet wurde, bei der eine Abnahme der Diversität zu verzeichnen war [1].

In einer Studie, in der chemische Maßnahmen in besiedelten Spülbeckenabflüssen eingesetzt wurden, wurde ein gering signifikanter, jedoch nicht nachhaltiger Anstieg der Mikrobiomdiversität in der Interventions- und Nachinterventionsphase beobachtet [2].

In einer Langzeitstudie (>8 Jahre) wurde festgestellt, dass Abwasserleitungsmikrobiome eine stabile Zusammensetzung mit einem niedrigen Umsatzindex aufweisen, im Vergleich zu anderen Oberflächen in der Krankenhausumgebung, die mehr Möglichkeiten für die Besiedlung mit menschlichen Mikrobiota bieten [3].

Kotay et al. fanden nun eine erhöhte relative Häufigkeit von Gattungen, die zu den Enterobacterales gehören, nämlich Serratia, Enterobacter, Klebsiella und Citrobacter in den neu ersetzten Rohrleitungen. Andere Studien haben eine schnelle Rekolonisierung mit potenziell arzneimittelresistenten Krankheitserregern nach dem Austausch von Rohrleitungen in Krankenhäusern gezeigt [4] [5] [6]. Die vorliegende Studie stützt diese Ergebnisse, hebt jedoch viel detaillierter die damit verbundenen umfassenderen Veränderungen des Mikrobioms hervor, die innerhalb kurzer Zeiträume auftreten, wenn Waschbeckenabflüsse ausgetauscht werden. Um die potenziellen Auswirkungen externer Faktoren zu untersuchen, wurden zusätzliche Raum- und Patientenfaktoren verglichen, die möglicherweise die mikrobielle Gemeinschaft in den Biofilmen der Waschbeckenabflüsse beeinflusst haben könnten, ohne dass diese als relevant identifiziert werden konnten.

Obwohl der Austausch von Abflussrohren als intuitiv naheliegende Maßnahme erscheint, wenn antimikrobiell resistente Krankheitserreger identifiziert werden, kann dies die unbeabsichtigte Folge haben, dass die mikrobielle Gemeinschaft destabilisiert wird, die Kolonisationsresistenz gestört wird und somit das erfolgreiche Überwachsen just der antimikrobiell resistenten Krankheitserreger gefördert wird, die ursprünglich beseitigt werden sollten. Anstatt sich ausschließlich auf den Austausch der Rohrleitungen zu verlassen, könnten Strategien zur Risikominderung wirksamer sein, wenn sie sich darauf konzentrieren, die Ansiedlung von Krankheitserregern von vornherein zu verhindern und die retrograde Ausbreitung von Waschbecken auf Patienten zu begrenzen, beispielsweise durch den Einsatz von Barrieren bzw. den Verzicht von Waschbecken im Patientenzimmer selbst. Eine Veränderung der Struktur des Waschbecken-Abfluss-Mikrobioms verändert die Funktion der Gemeinschaft, was wahrscheinlich Veränderungen in den ökologischen und metabolischen Funktionen des Mikrobioms widerspiegelt und dadurch die Besiedlung mit nicht heimischen, potenziell resistenteren pathogenen Erreger nach einem Rohrtausch erleichtert. In eine ähnliche Richtung deuten die Ergebnisse von Studien zu mikrobiomerhaltenden Reinigungstrategien im Krankenhaus [7].

In der Tiermast wurden bereits Kombinationen von Probiotika (enteral bei Hühnern) und Bakteriophagen zur gezielten Reduktion von Salmonellen (in der Stallumgebung, insbesondere in Tränkeystemen) erfolgreich eingesetzt [8].

Vor dem Hintergrund der vorliegenden Ergebnisse zum „Leitungsmikrobiom“ erscheinen derart mikrobiommodifizierende Ansätze langfristig erfolgversprechender als der reine mechanische Leitungsaustausch und gerade der gezielte Einsatz von Bakteriophagen könnten Problemstämme beseitigen und gleichzeitig das protektive Mikrobiom in einem Abwassersystem erhalten.



Publication History

Article published online:
27 February 2026

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