Krankenhaushygiene up2date 2026; 21(01): 6
DOI: 10.1055/a-2781-5852
Studienreferate

Kommentar zu „Luftkontamination bei der Versorgung großflächiger Verbrennungswunden“

Authors

    Contributor(s):
  • Sebastian Schulz-Stübner

10.1055/a-2781-4977

Diese Studie untersuchte das Vorhandensein mikrobiologischer Organismen auf der Haut von Patienten und in der Umgebungsluft, wobei der Schwerpunkt auf den Auswirkungen des Entfernens von Verbänden und Hautpflegeverfahren bei einem schwerstverbrannten Patienten lag. Während dieser Maßnahmen wurden HSV-1-Nukleinsäuren in der Luft nachgewiesen, wobei am Tag 1 im Vergleich zu Tag 3 eine höhere Viruslast beobachtet wurde. Am Tag 2 wurde kein HSV-1 in der Luft nachgewiesen, wenn die Verbände nicht entfernt wurden. Ähnliche Muster wurden für das Merkelzell-Polyomavirus, Bakterien wie Enterococcus und Micrococcales sowie für Antibiotikaresistenz-Gene beobachtet.

Diese Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass es bei den beschriebenen pflegerisch-therapeutischen Maßnahmen (großflächiger Verbandwechsel und Wundversorgung) zur Freisetzung von Mikroorganismen in die Luft kommen kann und liefern eine zusätzliche Begründung, für die Maßnahmen der Basishygiene bei derartigen Maßnahmen in Form von persönlicher Schutzausrüstung (Kittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz), zumal die Beobachtungen in einem Raum mit Laminar-Airflow-Belüftung stattfanden. Diese Tatsache schränkt die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf normale klinische Bereiche stark ein. Durch die verwendete Lüftungstechnik ist auch ein Konzentrationseffekt in der Nähe der Abluftöffnungen, an denen gemessen wurde, denkbar. Das Sedimentationsverhalten bei anderen Lüftungstechniken (insbesondere regulärer Fensterlüftung) wäre von Interesse, um die Bedeutung derartiger Befunde für die potenzielle Ausbreitung von Erregern abschätzen zu können.

Insofern ist der „proof-of concept”-Gedanke interessant, um uns zukünftig vielleicht in die Lage zu versetzen, einen „Normalbereich“ von Mikroorganismen in der Luft von einem „Gefahrenbereich“ zu unterscheiden. Dies würde eine gezieltere Ableitung von Schutzmaßnahmen sowohl technischer Art (z.B. Lüftungstechnik) als auch persönlicher Art (z.B. Maskentyp) erlauben, setzt aber voraus, dass die metagenomischen Befunde mit dem Risiko der Übertragung auf andere Personen und dem tatsächlichen Auftreten von Infektionsereignissen korreliert werden, was eine enorme logistische Herausforderung hinsichtlich des Studiendesigns bedeutet. Erste Ansätze in dieser Richtung könnten im Rahmen von Ausbruchuntersuchungen erfolgen, bei denen Whole Genome Sequencing eingesetzt wird [1] und eine große Anzahl von Beobachtungen einzelner Maßnahmen durchgeführt wird [2].



Publication History

Article published online:
27 February 2026

© 2026. Thieme. All rights reserved.

Georg Thieme Verlag KG
Oswald-Hesse-Straße 50, 70469 Stuttgart, Germany

 
  • Literatur

  • 1 Maldonado-Barrueco A, Rubio-Mora E, Bloise I. et al. Genomic analysis of carbapenem resistant Acinetobacter baumannii outbreak in a burn intensive care unit of a tertiary-care hospital in Madrid, Spain. Antimicrob Resist Infect Control 2025; 14: 124
  • 2 Thoma R, Seneghini M, Seiffert SN. et al. The challenge of preventing and containing outbreaks of multidrug-resistant organisms and Candida auris during the coronavirus disease 2019 pandemic: report of a carbapenem-resistant Acinetobacter baumannii outbreak and a systematic review of the literature. Antimicrob Resist Infect Control 2022; 11: 12