Diabetes aktuell 2007; 5(5): 191
DOI: 10.1055/s-2007-993248
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Bauchumfang ist Herzenssache - Dicke haben mehr Risikofaktoren und sterben früher

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Publikationsdatum:
31. Oktober 2007 (online)

 
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    Menschen mit großem Bauchumfang haben höhere Risikofaktoren wie z. B. ungünstige Cholesterinwerte, hohe Triglyzeridwerte, erhöhten Blutdruck und gestörte Nüchternglukose als Menschen mit normalem Bauchumfang, und damit ein höheres Risiko, eine Herz-Kreislauf-Krankheit zu bekommen. Das zeigt die aktuelle Analyse der Daten von mehr als 35 000 Patienten, die 1 511 niedergelassene Ärzte in ganz Deutschland aufgesucht hatten. Insgesamt hatten 22 % der Patienten einen vergrößerten und weitere 37 % einen stark vergrößerten Bauchumfang, berichtet ein Forscherteam um Dr. Peter Bramlage (Dresden) auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Wien.

    Laut WHO ist der Normalwert bei Frauen ein Taillenumfang, gemessen über dem Hüftknochen, von bis zu 80 Zentimeter, bei Männer bis zu 94 Zentimeter. Übergewicht besteht bei Frauen bei einem Taillenumfang zwischen 80 und 88 Zentimeter, bei Männern zwischen 94 und 102 Zentimeter. Das Stadium der Adipositas ist erreicht, wenn der Taillenumfang bei Frauen 88 Zentimeter und bei Männern 102 Zentimeter überschreitet.

    Ein erhöhter Bauchumfang wirkt sich auch sehr eindeutig auf die Vorhersage der Sterblichkeit aus: So überschritten zum Beispiel 66 % aller Männer zwischen 60 und 69 Jahren mit einem Bauchumfang von mehr als 102 Zentimeter eine Wahrscheinlichkeit von 5 %, in den kommenden zehn Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu versterben - eine Schwelle, die laut ESC-Empfehlung zu einer konsequenten vorbeugenden medikamentösen Therapie Anlass gibt. Dieses Risiko hatten allerdings nur 10 % der Frauen der gleichen Altersklasse mit einem Taillenumfang von mehr als 88 Zentimeter.

    "Daher scheint eine routinemäßige Bestimmung des Bauchumfangs im hausärztlichen Bereich ein wichtiges diagnostisches Mittel zur einfachen Abschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos zu sein", folgert Bramlage. "Besonders weibliche Patienten ab einem Alter von 60 Jahren und Männer ab einem Alter von 50 Jahren zählen zur Hochrisikogruppe, bei denen eine solche Messung wegweisend für die weitere Diagnostik ist."

    Ein Problem zeigte sich allerdings bei den aktuellen Analysen: Die aktuell gültigen, geschlechtsspezifischen Grenzwerte reflektieren keine vergleichbaren Risikoniveaus bei Männern und Frauen. "Wenn Männer den Grenzwert von 102 Zentimetern überschreiten, haben sie ein ungleich höheres Risiko als Frauen bei einem Bauchumfang von mehr als 88 Zentimetern. Hier muss noch weiter geforscht werden", fordert Bramlage.

    Quelle: B&K - Bettschart&Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH