Dialyse aktuell 2007; 11(4): 41
DOI: 10.1055/s-2007-985028
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Cytomegalievirusinfektion nach Nierentransplantation - Einsatz von Immunglobulinen kann die Entwicklung früher Non-Hodgkin-Lymphome verhindern

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11 July 2007 (online)

 
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Mit einer Mortalitätsrate von bis zu 50% gehören die lymphoproliferativen Erkrankungen - hierzu zählen auch die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) - zu den gravierendsten Komplikationen nach einer Transplantation [4]. Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine lebensbedrohliche Folge der immunsuppressiven Therapie, die oft ein Leben lang notwendig ist, um die Funktion des Transplantats zu erhalten [4], [5].

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Antivirale Substanzen oder Immunglobuline zur Prävention von Lymphomen?

Bei den meisten Lymphomen handelt es sich um B-Zell-Lymphome, die durch eine Epstein-Barr-Virusinfektion (EBV) induziert werden. Die physiologische Kontrolle der EBV-infizierten B-Lymphozyten durch T-Lymphozyten ist bei transplantierten Patienten durch den Einsatz von Immunsuppressiva gestört. Diese sollen die T-Zell-Antwort unterdrücken - eine ungehemmte B-Zell-Proliferation kann die Folge sein [2], [6].

Die Entwicklung einer EBV-Vakzine steht noch am Anfang, Hoffnungen haben antivirale Substanzen, wie Aciclovir und Ganciclovir, geweckt, die sich in der Prophylaxe und der Therapie von Infektionen mit Cytomegalievirus (CMV) als klinisch erfolgreich erwiesen haben. Möglicherweise können diese Substanzen auch bei der Prävention von Lymphomen nach Transplantation eingesetzt werden. Studien mit großen Patientenzahlen hierzu fehlen allerdings bislang. Trotzdem empfehlen die "European Best Practice Guidelines" nach Nierentransplantation den prophylaktischen Einsatz antiviraler Medikamente [1].

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Erste Studie mit großen Patientenzahlen

In einer multizentrischen retrospektiven Studie untersuchten Opelz et al. nun den Effekt einer prophylaktischen Behandlung einer Cytomegalievirusinfektion auf die Inzidenz von Lymphomen nach Transplantation [3]. Hierzu analysierten sie die Daten von mehr als 40 000 Empfängern von Nierentransplantaten aus der "Collaborative Transplant Study". Die Patienten bekamen entweder antivirale Medikamente (Aciclovir oder Ganciclovir) oder ein Anti-CMV-Immunglobulin, der dritte Studienarm erhielt keine CMV-Prophylaxe.

Im ersten Jahr nach Transplantation entwickelten 30 255 Transplantatempfänger, die keine CMV-Prophylaxe erhalten hatten, ein Lymphom (standardisierte Inzidenzrate (SIR) 26,4) (Abb. [1]). Die nahezu gleiche Wahrscheinlichkeit ein Lymphom zu entwickeln, hatten die 12 470 Patienten, die antiviral behandelt wurden (SIR 24,2). Im Gegensatz dazu blieben alle 2 103 Patienten, die mit Immunglobulinen behandelt wurden, im ersten Jahr nach der Transplantation frei von Lymphomen (SIR 0, p = 0,012 versus keine Behandlung, p = 0,016 versus antivirale Therapie). In der folgenden fünfjährigen Nachbeobachtungszeit blieb dieser Unterschied nicht bestehen, die Inzidenzrate lag für Non-Hodgkin-Lymphome in allen drei Gruppen etwa gleich hoch (SIR 7,1-7,4, p = 0,97) (Abb. [2]). Dies ist erklärbar, weil die CMV-Prophylaxe bereits nach vier Monaten beendet wurde.

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Abb. 1 Inzidenz für Non-Hodgkin-Lymphome ein Jahr nach Transplantation

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Abb. 2 Inzidenz für Non-Hodgkin-Lymphome nach Transplantation während einer weiteren fünfjährigen Nachbeobachtungszeit

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Keine Lymphome im ersten Jahr beim Einsatz von Immunglobulinen

Den Ergebnissen zufolge scheint der prophylaktische Einsatz von Immunglobulinen zur Bekämpfung der Cytomegalieviren die Entwicklung von Lymphomen kurz nach einer Nierentransplantation verhindern zu können. Die Autoren führen den protektiven Effekt auf die EBV-Antikörper zurück, die diese enthalten. Wie die Studie zeigt, hat die antivirale Therapie mittels Aciclovir und Ganciclovir keinen positiven Effekt auf das Risiko, ein Jahr nach der Transplantation ein NHL zu entwickeln. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Studie retrospektiv durchgeführt wurde und die Immunglobuline nicht verabreicht wurden, um eine EBV-Infektion und eine Lymphomentstehung, sondern um eine CMV-Infektion zu verhindern. Dennoch sollten auf Basis der Studienergebnisse prospektive Untersuchungen folgen.

Kl

Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung der Biotest AG, Dreieich

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Literatur

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Literatur

 
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Abb. 1 Inzidenz für Non-Hodgkin-Lymphome ein Jahr nach Transplantation

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Abb. 2 Inzidenz für Non-Hodgkin-Lymphome nach Transplantation während einer weiteren fünfjährigen Nachbeobachtungszeit