Diabetes aktuell 2007; 5(6): 234
DOI: 10.1055/s-2007-1019465
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Hormonmangel macht Metabolisches Syndrom - Endokrinologen befürworten Testosteron für ältere Männer mit gestörtem Stoffwechsel

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18 January 2008 (online)

 
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    Im Alter bilden sich im Hoden weniger Androgene. Dadurch geht die Konzentration von Testosteron im Blut jährlich um ein bis zwei Prozent zurück. Ein niedriger Testosteronspiegel kann laut der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) die Wirkung des Insulins herabsetzen. Der Körper ist dadurch für Insulin weniger empfindlich, erläuterte Professor Dr. med. Hendrik Lehnert von der Warwick Medical School in Coventry: "Wir wissen dies von Patienten, die wegen Prostatakrebs mit Anti-Androgenen behandelt werden: Bei ihnen steigen Blutzucker und Insulinkonzentration an - ein klarer Hinweis auf eine Insulinresistenz." Diese ist auch ein Kennzeichen des Metabolischen Syndroms, woran etwa 30 % der Bevölkerung leidet. Erste Studien zeigen, dass bei den betroffenen Männern eine Hormonbehandlung mit Testosteron das Metabolische Syndrom bessert. "Eine Therapie sollte jedoch erst erfolgen, wenn der Hormonmangel zur Erkrankung geführt hat - vorbeugend ist dies nicht sinnvoll", erläutert Hormonspezialist Lehnert. Bestätige sich ein vermuteter Androgenmangel im Labor, könne Testosteron die Stoffwechsellage bessern. Auch der Bauchumfang nehme dadurch ab.

    Eine Hormonbehandlung setzt laut DGE zwei Bedingungen voraus: "Ein Spezialist muss den Androgenmangel zuverlässig diagnostizieren" betont Professor Dr. med. Harald Klein, Mediensprecher der DGE von der Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum. Ideal ist es, das Gesamt-Testosteron am Vormittag zwischen acht und zehn Uhr zu messen. Darüber hinaus, so Klein, müsse der Mangel des männlichen Geschlechtshormons die Gesundheit des Patienten deutlich beeinträchtigen. Denn die Hormonbehandlung birgt auch Risiken: Zum Beispiel kann sich die Vorsteherdrüse vergrößern und die Harnröhre einengen. Deshalb ist es notwendig, dass der behandelnde Arzt Prostata und Blut regelmäßig untersucht.

    gb

    Quelle: Lehnert H. Endokrinologie 2007. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132: 1420-1423