Pneumologie 2005; 59(3): 159-160
DOI: 10.1055/s-2005-865042
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Atopische Erkrankungen - Fettsäuremuster beeinflusst das Immunsystem bei Frauen

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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
10. März 2005 (online)

 
Inhaltsübersicht

Ob die Ernährung das Auftreten von atopischen Krankheiten beeinflusst, war bereits Thema zahlreicher Untersuchungen. M. A. Trak-Fellermeier und Mitarbeiter, Oberschleißheim, forschten nun nach einem möglichen Zusammenhang zwischen dem Fettkonsum und den Symptomen eines hyperreagiblen Immunsystems bei Frauen und Männern (Eur Respir J 2004; 23: 575-582).

Die Studie umfasste 802 Patienten (63% Männer) zwischen 20 und 64 Jahren aus der European Community Respiratory Health Survey (ECRHS) in Erfurt, in der die Prävalenz von Asthma und anderen atopischen Erkrankungen registriert worden war. Bei den Probanden wurden die spezifischen IgE-Antikörper auf häufige Allergene wie Katzenhaar und Frühblüher bestimmt. Sie notierten über 2 Wochentage und einen Sonn- oder Feiertag die verzehrten Nahrungsmittel und -mengen. Der darin enthaltene Fettanteil und das Fettsäuremuster wurden nach dem Bundeslebensmittelschlüssel berechnet und auf einen Zusammenhang mit allergischen Symptomen hin überprüft. 613 Patienten waren zu einem Metacholin-Test auf Bronchiale Hyperreagibilität (BHR) bereit.

Die Auswertung ergab, dass Männer signifikant mehr Butter und Margarine aßen als Frauen, was bei ihnen mit einem um das 3fach erhöhte Risiko für Heuschnupfen einherging. Bei Frauen korrelierte ein erhöhter Speiseölkonsum mit einem etwa doppelt so hohen Risiko für ein atopisches Ekzem, verglichen mit einem geringen Verbrauch. Der Fettkonsum zwischen den Geschlechtern unterschied sich lediglich zugunsten einer höheren Aufnahme von α-Linolsäure und Linolsäure bei Frauen. Bei ihnen kam der Einfluss der Fettsäureaufnahme auf hyperreagible Symptome deutlicher zum Tragen. Eine erhöhte Gesamtfettaufnahme vergrößerte bei ihnen das Risiko für allergische Symptome um das 2,5Fache, für Heuschnupfen um das 3 bis 4Fache. Dieser Zusammenhang zeigte sich speziell für bestimmte einfach ungesättigte Fettsäuren wie Palmin- und Ölsäure mit einem Risikoanstieg für Hyperreagibilität, speziell Heuschnupfen, um das 2 bis 5Fache. Ein hoher Konsum von Arachidonsäure bzw. einfach ungesättigten Fettsäuren erhöhte bei Frauen die Gefahr eines Anstiegs an spezifischem IgE um das 2 bis 3Fache, während ein erhöhter Verzehr an mehrfach ungesättigten Fettsäuren dieses Risiko um bis zu 60% senkte. Frauen, die viel mehrfach ungesättigte Fettsäuren, besonders α-Linolsäure zu sich nahmen, verringerten auch ihr Risiko für ein atopisches Ekzem um über 50%. Ein Zusammenhang zwischen Fett und Fettsäuren und BHR wurden nicht festgestellt.

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Fazit

Die Autoren fassen zusammen, dass ein erhöhter Fettkonsum, speziell an einfach ungesättigten Fettsäuren, die Immunreaktion beeinflussen und das Risiko allergischer Erkrankungen vergrößern kann.

Dr. Inge Kelm-Kahl, Wiesbaden