U. Meckler, A. Hollerweger, C. F. Dietrich
Deutscher Ärzteverlag Köln 2004
Mit 1275 Abbildungen in 2405 Einzeldarstellungen, 218 S., € 99,95
ISBN: 3-7691-0434-X,
Sonographische Differenzialdiagnose - Krankheiten des Gastrointestinaltraktes - Systematischer
Atlas
Eine scherzhafte Annäherung an ein ernsthaftes Werk
Lieber Uli,
ein Österreicher würde sagen: "Wo nimmst Du nur den Turgor her". Eine neue Auflage
Deiner Sicht der sonographischen Differenzialdiagnose des Gastrointestinaltrakts mit
einer schier endlosen Zahl wunderschöner Bilder. Um die wertvolle Koautorenschaft
unseres Freundes A. Hollerweger, dessen präzise Schallkunst und große Erfahrung bist
Du zu beneiden. Zudem kann ich mir gut die enthusiastische Mitarbeit deines ergänzend
aufgenommenen Mitverfassers der nachfolgenden Ultraschallgeneration, C. F. Dietrich,
vorstellen. Wie oft habt Ihr wohl über die "Systematik" eures Bildbandes diskutiert?
Die Qualität der Bilder ist von gleichmäßig hoher Güte, das Layout von stringenter
Konstanz. Nahezu identische Abbildungsformate ohne Angabe der technischen Details
mit wechselndem Maßstab zeigen scharfe Abbildungen mit unterschiedlicher, leider nicht
immer erkennbarer Transducerfrequenz. Nirgends ein Hinweis auf schwer schallbare Menschen,
gibt es die etwa bei euch nicht? Der Radiologe Heckemann sagt uns: Gute Ultraschallbilder
müssen in der Regel erarbeitet und oft erkämpft werden. In eurem Buch sieht das so
einfach aus, wie bei Sichtmauerwerk liegt Stein an Stein mit exakten Fugen. Als verbindender
Mörtel dienen knappe Texte, die sich meist auf klinische Daten stützen. Damit stimme
ich sehr überein, die klinischen Angaben sind der wichtigste Baustein in der Differenzialdiagnose!
Dazu kommen fast regelmäßig kleine schematisierte Umrisszeichnungen, die mir heutzutage
für die Interpretation der Ultraschallbilder entbehrlich erscheinen. Dafür ist die
Auflösung des Ultraschalls inzwischen viel zu gut und die Anatomie deshalb jederzeit
nachvollziehbar. An die Legendenüberschriften am Rand gewöhnt man sich, eine Wiederholung
als Spitzmarke unter den Abbildungen hätte das Lesen und die Übersicht bei den vielen
einander ähnlichen Abbildungen m. E. erleichtert.
Nun zum Gastrointestinaltrakt: Mehr als 1000 Bilder zum GI-Trakt, macht das überhaupt
Sinn? Eine Darmwandverdickung hat doch eine gewisse Uniformität trotz der von uns
allen mehr oder weniger gepflegten Laminologie ("Spezielle sonographische Lehre von
der Darmwandschichtung").
Na ja, du führst uns mit dem Titel ein wenig irre, denn auf ca. 80 von 210 Seiten
lernen wir extrem viel über Bauchwand, Peritoneum, Omentum und Mesenterium. Es sei
dir gestattet, denn ich habe noch in keinem Ultraschallbuch über Omentum und Peritoneum
so viel Wissenswertes gefunden, wenngleich die eine oder andere Bildinterpretation
gewagt erscheinen mag und ihre Akzeptanz sicherlich nicht ohne kontroverse Diskussion
erreicht wurde, aber so ist eben deine Ultraschallphilosophie!
In Anbetracht der Abbildungszahl und auch hinsichtlich ihrer Qualität ist das Buch
halb geschenkt.
Wer braucht es und wo braucht man es?
Jeder kann es am besten direkt neben seinem Ultraschallgerät gebrauchen (weshalb wohl
praktischerweise vom Verlag eine Miniaturleselampe für das sonographische Halbdunkel
mitgeliefert wird). Ich hätte deshalb als Untertitel den Begriff Arbeitsatlas vorgezogen.
Es lohnt sich, nebenher mit noch leicht gelverschmierten Händen den "Atlas" durchzusehen,
um die eigenen Differenzialdiagnosen aufzupeppen und durch Vertiefen der Anamnese
abzusichern. Dieser Atlas will "aufgearbeitet" werden, anstatt im verglasten Bücherregal
zu vergilben. Mit zunehmendem Gebrauch wird man aufgrund des Lerneffektes zwar öfter
auf ihn verzichten können, doch wenn er schließlich kontaktgelimprägniert aufgearbeitet
ist, kommt bestimmt eine neue Auflage.
Herzlichen Glückwunsch!
Dein Karlheinz Seitz