Der Klinikarzt 2003; 32(8): 357
DOI: 10.1055/s-2003-42192
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

www.schafslaeuse.de - Quacksalberei ist wieder in!

W. Hardinghaus1
  • 1Osnabrück
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Prof. Dr. W. Hardinghaus

Osnabrück

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Publication Date:
15 September 2003 (online)

Table of Contents

    Bei chronischen Leberleiden - unser Thema in diesem Heft - helfen Schafsläuse. Althergebracht? Bitte begeben Sie sich einmal im Internet in einen Leber-Chat-Room. Hier finden Sie haufenweise entsprechende Tipps zu diesen so nutzbringenden Ungeziefern. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen? Unter http://www.schafslaeuse.de schafft das Internet sofort Abhilfe. Kein Witz: „Bei uns bekommen Sie Schafsläuse von gesunden und artgerecht gehaltenen Schafen.” Die Läuse kommen per Expresszustellung lebendig und frisch bis zu Ihrer Haustür. Über einen Link stellen sich die Schafe übrigens persönlich und im Bild vor. Eine nette „Läusebande” findet man hier, possierlich und rein. Na ja, ein bisschen muss man schon ins Portemonnaie greifen, nämlich pro Laus 2 Euro - zuzüglich Porto und Verpackung noch mal 12,50 Euro versteht sich. Mag einen da der Affe lausen.

    Scherz beiseite. Die Sache hat noch einen ernsten Hintergrund. Quacksalber haben im Internet Hochkonjunktur. Unsere Patienten nehmen falsche Ratschläge in ihrer Not und ihrer Unwissenheit teilweise nur allzu gerne an. Das Internet mit seiner Anonymität zum einen und seinem „Multi-Level-Marketing” zum anderen öffnet „quakenden Salbern” (der historische Begriff) Tür und Tor. Vielfach geht es um Nahrungsergänzungsstoffe, auf deren Bewerbung insbesondere chronisch Kranke hereinfallen.

    Es gibt aber auch positive Aufklärung, zum Beispiel das Portal der Selbsthilfe des Deutschen Arthrose-Forums (http://www.Deutsches-Arthrose-Forum.de). Hier werden übrigens auch Hinweise über Täterprofile von Quacksalbern gegeben, wie beispielsweise „... unterstützt die Ernährung und den gesunden Stoffwechsel im Gelenk”, was wohl auch für Wasser aus der Leitung zutrifft.

    „Quack-Watch” ist eine Schutzvereinigung aus den USA und hat ebenfalls einen empfehlenswerten deutschen Internetzugang. Man findet ihn unter http://staff-www.uni-marburg.de/~woelfel/quack.html. Wen es interessiert, der findet hier Berichte über illegales Marketing und über die Tricks irreführender Internetwerbung.

    In den USA definiert die Bundesbehörde für die Zulassung neuer Medikamente und für die Überwachung des Medikamentenmarktes (FDA) den so genannten Betrug im Gesundheitsbereich als das Werben aus Profitgründen für medizinische Heilmittel, die als falsch oder nicht geprüft bekannt sind. Das juristische Problem liegt in der Betrugsabsicht, der vorsätzlichen Täuschung. Hier finden Quacksalber Lücken, indem sie persönliche Ratschläge erteilen, Erfahrungen austauschen oder verdeckt weitergeben („hat meiner Tante geholfen” - mit einem weiterführenden Link auf das Präparat). Man könnte das auch moderne Marktschreierei nennen.

    Aus dem Jahre 1531 zitiert das Deutsche Rechtswörterbuch die wohl älteste Fundstelle über die Quacksalberei: „van den physicis und chirurgen. Hirher hören ok de arsten und alle andere quacksalven, de sik for arsten utgeven”. Bliebe nach „Quacksalbern, die sich als Ärzte ausgeben” noch vor Scharlatanen zu warnen. Die Scharlatane spalten sich begrifflich von Chiarlatano, den Einwohnern einer italienischen Stadt ab, in der Verkäufer und Gaukler allerlei Tand mit angeblicher Heilwirkung feilboten.

    Ich muss zugeben, einen plumpen Quarkwickel über der Leberregion habe ich auch schon mal verordnet. So ein Quark. Doch er tat der Patientin gut. Zu Schafsläusen würde ich mich allerdings nicht durchringen können - weder tot noch lebendig.

    Nur gut, dass die moderne wissenschaftliche Hepatologie, wie im vorliegenden Heft des klinikarzt und im Editorial von PD Grandt und PD Schiedermaier mit echten Fortschritten zum wirklichen Nutzen unserer chronisch kranken Patienten aufwarten kann.

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    Prof. Dr. W. Hardinghaus

    Osnabrück

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