PiD - Psychotherapie im Dialog 2001; 2(2): 174-185
DOI: 10.1055/s-2001-15582
Aus der Praxis
Verfahren und Richtungen
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Systemische Ansätze zur Erklärung und Behandlung bulimischer Ess-Störungen

Margret  Groene
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Publication Date:
31 December 2001 (online)

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Abstract

Der erste Teil des Artikels beschreibt anhand von Gesprächsausschnitten und Fallbeispielen problemstabilisierende Beziehungsmuster, Glaubenssätze und Lösungsversuche bulimischer Frauen, welche ihre Ess-Störungen - unabhängig von ihrer Entstehung - aufrechterhalten, verstärken und schließlich als „chronifizierte Sucht” erscheinen lassen. Dabei wird unterschieden zwischen heimlicher und öffentlicher Bulimie, die beide als vergebliche Lösungsversuche gesehen werden, aber mit einer jeweils ganz unterschiedlichen Beziehungsdynamik.
Wie die beschriebenen „Sucht”-Prozesse wieder in konstruktive Such-Prozesse und „bekömmlichere” Umgangsweisen der Frauen mit sich selbst (ihren Körper eingeschlossen) und anderen Menschen zurückverwandelt werden können, zeigen die im zweiten Teil dargestellten therapeutischen Schritte auf. Als zentrale Veränderungsschritte werden dabei das Annehmen der Bulimie - trotz aller leidvollen Aspekte - und der Verzicht auf Kontrollversuche (Wiegen, Diäten etc.) gesehen.
Ziel systemischer Therapie ist es, dass die betroffenen Frauen sich wieder ein Leben erlauben, das nicht mehr „zum Kotzen” ist - mit der Erfahrung, dass die Bulimie dann überflüssig wird.

Literatur

  • 1 Groene M. Wie lasse ich meine Bulimie verhungern? Ein systemischer Ansatz zur Beschreibung und Behandlung der Bulimie. Heidelberg; Carl-Auer-Systeme 2000 3. Aufl.
  • 2 Kämmerer A, Klingenspor B. (Hrsg.) .Bulimie. Zum Verständnis einer geschlechtsspezifischen Ess-Störung. Stuttgart/Berlin/Köln; Kohlhammer 1989
  • 3 Simon F B. Unterschiede, die Unterschiede machen. Klinische Epistemologie: Grundlagen einer systemischen Psychiatrie und Psychosomatik. Berlin/Heidelberg; Springer 1988
  • 4 Weber G. Rückfall oder Vorfall: Über den systemischen Umgang mit sich vermeintlich wiederholenden Verhaltensweisen. Heidelberg; Carl-Auer-Systeme/Autobahn-Universität 1991

1 Da zu über 90% Frauen von bulimischen Ess-Störungen betroffen sind, beziehen sich die folgenden Ausführungen auch nur auf Klientinnen bzw. betroffene Frauen.

2 Dieses Transkript wie auch alle folgenden Ausschnitte aus Therapiegesprächen entstammen Groene (2000).

Adresse der Autorin:

Prof. Dr. Margret Groene


Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Brühl 20

D-31134 Hildesheim